Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum

Jeder vierte Ausbildungsplatz bleibt unbesetzt

Der Arbeitsmarkt in Hessen und Deutschland steht weiterhin vor tiefgreifenden Veränderungen, die sowohl Betriebe als auch Beschäftigte vor erhebliche Herausforderungen stellen. Trends wie der fortschreitende demografische Wandel, die Digitalisierung und der Strukturwandel prägen zunehmend den betrieblichen Alltag. Die Auswertungen zum IAB-Betriebspanel 2025 stehen unter dem Rahmenthema „Ambivalenzen bei der Sicherung von Fach- und Arbeitskräften in verschiedenen Branchen – Hessische Betriebe in Zeiten von Strukturwandel und neuen Impulsen durch KI“. Während der diesjährige erste Report des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) sich mit dem Arbeitsmarkt in Hessen zwischen Fachkräftesicherung, Stellenabbau und KI-Einsatz beschäftigt hat, stehen im vorliegenden zweiten Report der Stand der betrieblichen Aus- und Weiterbildung in hessischen Betrieben in Zeiten der Transformation durch Strukturwandel, angespannte Wirtschaftslage, Digitalisierung und KI im Fokus. Dazu wurden 1.021 Betriebe befragt. Gefördert werden die hessischen Zusatzauswertungen von der Europäischen Union und aus Mitteln des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum sowie der Bundesagentur für Arbeit.   

Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori hob zur Veröffentlichung hervor: „Der aktuelle Report zeigt deutlich: Die wirtschaftliche Lage hinterlässt Spuren bei Ausbildung und Weiterbildung. Wenn in Hessen nur noch etwa jeder vierte Betrieb ausbildet, ist das ein Warnsignal. Gleichzeitig ist es ein klarer Auftrag zum Handeln. Fachkräfte entwickeln sich nicht von selbst – sie müssen ausgebildet, qualifiziert und gefördert werden. Deshalb müssen Politik und Wirtschaft gemeinsam Verantwortung übernehmen. Jeder junge Mensch, der eine Ausbildung beginnt, und jede Beschäftigte und jeder Beschäftigte, die oder der sich weiterqualifiziert, stärkt die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Ausbildung und Weiterbildung schaffen Chancen für die Menschen und sichern den Unternehmen die Fachkräfte, die sie dringend brauchen. Deshalb unterstützt die Hessische Landesregierung die Betriebe gezielt dabei, in Aus- und Weiterbildung zu investieren. Wer heute in Qualifizierung investiert, legt den Grundstein für Wachstum, Innovation und Beschäftigung von morgen“, sagte der hessische Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident Kaweh Mansoori

„Der Report verdeutlicht den Strukturwandel, der sich am Ausbildungsmarkt vollzieht. Das dritte Jahr infolge sinkt die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze. Auch der Anteil ausbildender Betriebe geht weiter zurück. Und das Ausbildungsangebot konzentriert sich immer mehr auf größere Unternehmen. Gleichzeitig bleibt fast jeder vierte Ausbildungsplatz unbesetzt, während die Übernahmequote einen neuen Höchststand erreicht. Dies verdeutlicht die Krise der Ausbildung vor allem bei kleinen Betrieben sowie anhaltende Passungsprobleme. Umso wichtiger ist es, die Rahmenbedingungen für kleine und mittlere Betriebe zu verbessern und Angebot und Nachfrage gezielt zusammenzuführen.“ betont Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit.

Anteil ausbildender Betriebe erreicht neuen Tiefstwert

Die Befragungen des Jahres 2025 zeigen, dass im Betrachtungszeitraum lediglich 25 Prozent der Betriebe in Hessen ausgebildet haben. Damit erreichte die Ausbildungsbeteiligung in Hessen den niedrigsten Wert seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2002. Im Jahr 2025 waren zudem 23 Prozent der Betriebe zwar ausbildungsberechtigt, haben ihr Ausbildungsrecht aber nicht wahrgenommen. Die höchste Ausbildungsbeteiligung war im Jahr 2025, wie in den Vorjahren, im Verarbeitenden Gewerbe (44 Prozent) und im Baugewerbe (31 Prozent) zu verzeichnen.

Jeder vierte Ausbildungsplatz bleibt unbesetzt

Die Anzahl angebotener Ausbildungsplätze ist das zweite Jahr in Folge gesunken und erreichte 2025 in etwa wieder das Niveau der Jahre 2017 bis 2022. Damit einher ging 2025 im Vergleich zum Vorjahr ein leichter Anstieg der Besetzungsquote um einen Prozentpunkt auf 74 Prozent. Im Langzeitvergleich verblieb die Besetzungsquote jedoch auf einem niedrigen Niveau. Wie in den Vorjahren wurden die meisten Ausbildungsplätze (20.000) auch im Ausbildungsjahr 2024/25 in den Sonstigen Dienstleistungen angeboten, dem Wirtschaftszweig mit den meisten Beschäftigten. Der Anteil besetzter Ausbildungsplätze fiel in der Öffentlichen Verwaltung und in Organisationen ohne Erwerbszweck mit Abstand am höchsten aus (95 Prozent).

Übernahmequote von Auszubildenden steigt an auf neuen Höchstwert

Ein neuer Höchstwert war zum wiederholten Male bei der Übernahmequote nach der Ausbildung zu verzeichnen. Diese ist in den vergangenen 20 Jahren bis 2025 relativ kontinuierlich von ehemals 53 Prozent auf 77 Prozent angestiegen.

Deutlich geringere Ausbildungsbeteiligung im neuen Ausbildungsjahr

Im Ausbildungsjahr 2025/26 zeigten sich die Auswirkungen der wirtschaftlichen Krise noch deutlicher auf dem Ausbildungsmarkt als zuvor. Zum Befragungszeitpunkt hatten erst 16 Prozent der Betriebe in Hessen Ausbildungsverträge für das Ausbildungsjahr 2025/26 abgeschlossen. Im Vergleich zum Vorjahr war damit ein deutlicher Rückgang um acht Prozentpunkte zu verzeichnen. Der Anteil der Betriebe mit zum Befragungszeitpunkt abgeschlossenen Ausbildungsverträgen fiel 2025/26, wie auch im Ausbildungsjahr zuvor, in der Öffentlichen Verwaltung sowie in Organisationen ohne Erwerbszweck mit großem Abstand am höchsten aus (42 Prozent).

Weiterbildungsbeteiligung der Betriebe hat wieder zugenommen

Die Beteiligungsquote war im Jahr 2020, dem ersten Jahr der Corona-Pandemie, rapide von 51 auf 32 Prozent gesunken. 2022 und 2023 hatte sich mit Blick auf das betriebliche Weiterbildungsengagement zunächst eine Erholung abgezeichnet, bevor die Beteiligungsquote im Jahr 2024 erneut rückläufig war. Im ersten Halbjahr 2025 stieg die Beteiligungsquote in hessischen Betrieben um sieben Prozentpunkte auf 47 Prozent und nährte sich damit dem Vor-Pandemie-Niveau an. Eine deutlich überdurchschnittliche Beteiligungsquote war im ersten Halbjahr 2025 bei Betrieben im Bereich der Sonstigen Dienstleistungen (58 Prozent) zu beobachten. Der höchste Anteil weitergebildeter Beschäftigter ergab sich hingegen im Baugewerbe (44 Prozent).

Höhere Weiterbildungsbeteiligung bei KI-nutzenden Betrieben

Insbesondere dürfte die zunehmende Nutzung generativer Künstlicher Intelligenz (gKI) dazu beigetragen haben, dass viele Betriebe in entsprechende Weiterbildungen eingestiegen sind. Der Anteil gKI-nutzender Betriebe in Hessen ist zwischen 2023 und 2025 von knapp sechs auf mehr als 23 Prozent angewachsen. Nahezu die Hälfte der weiterbildungsaktiven Betriebe mit gKI-Nutzung hat Weiterbildungen zum Thema gKI angeboten. Generell förderten Betriebe mit gKI-Nutzung deutlich mehr Weiterbildungen als Betriebe ohne gKI-Nutzung.

Externe Kurse, Lehrgänge und Seminare als wichtigstes Weiterbildungsformat

Wie in den Jahren 2023 und 2024 waren Externe Kurse, Lehrgänge und Seminare auch in der ersten Jahreshälfte 2025 die am häufigsten von Betrieben geförderten Weiterbildungsformate. Neun von zehn der in der Weiterbildung engagierten Betriebe förderten Externe Kurse, Lehrgänge und Seminare (89 Prozent).

Hintergrundinformationen

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) lässt seit 1993 jährlich Betriebe im Rahmen des IAB-Betriebspanels durch das Marktforschungsinstitut Verian Group (ehemals Kantar Public) befragen. Die Auswertung für Hessen erfolgt durch das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Gefördert werden die hessischen Zusatzauswertungen von der Europäischen Union und aus Mitteln des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum sowie der Bundesagentur für Arbeit.

 

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