- Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori fordert verlässliche Perspektiven für Produkte, Investitionen und Beschäftigung am Standort
- Baunatal soll als Kompetenzstandort für elektrische Antriebe im Volkswagen Konzern gestärkt werden
Hessens Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident Kaweh Mansoori hat am Freitag an der Betriebsversammlung im Volkswagenwerk Kassel teilgenommen. Vor dem Hintergrund der laufenden Diskussionen über den Zukunftsplan des Volkswagen Konzerns bekräftigte Mansoori seine Unterstützung für den Standort und die Beschäftigten. Bereits Anfang August hatte sich der Minister mit Betriebsrat, IG Metall und Werkleitung über die Situation in Baunatal ausgetauscht.
„Die Beschäftigten in Baunatal haben über viele Jahre bewiesen, dass sie Wandel können. Der Standort hat den Schritt vom klassischen Getriebewerk hin zu einem zentralen Kompetenzzentrum für elektrische Antriebe geschafft. Wer diese Leistung ernst nimmt, muss den Beschäftigten jetzt auch eine belastbare Perspektive geben. Zukunft entsteht nicht durch immer neue Sparankündigungen, sondern durch gute, zukunftsfähige Produkte, Innovationen, Investitionen und Vertrauen. Baunatal hat die Kompetenz, auch die nächste Generation der Automobilindustrie mitzuprägen. Diese Chance muss Volkswagen nutzen“, sagte Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori.
VERLÄSSLICHKEIT FÜR DEN STANDORT
Mansoori machte deutlich, dass bereits vereinbarte Zukunftsprojekte nicht durch die aktuellen Sparüberlegungen infrage gestellt werden dürften. „Deutschland wird den internationalen Wettbewerb nicht über die niedrigsten Löhne gewinnen. Unsere Stärke sind Qualifikation, Qualität, Innovation und industrielle Kompetenz. Gute Arbeit, faire Löhne und Wettbewerbsfähigkeit gehören deshalb zusammen. Wenn Beschäftigte ihren Beitrag zum Umbau eines Unternehmens leisten, muss Verlässlichkeit in beide Richtungen gelten. Vereinbarte Zukunftsprodukte und die dafür notwendigen Investitionen sind keine unverbindlichen Absichtserklärungen. Sie sind die Grundlage dafür, dass Menschen ihre berufliche Zukunft planen können und industrielle Kompetenz in Deutschland erhalten bleibt.“
Der Minister erneuerte zugleich seine ablehnende Haltung gegenüber Überlegungen, den Komponentenbereich organisatorisch aus dem Volkswagen Konzern herauszulösen. „Baunatal gehört in die Volkswagen Familie. Die Stärke des Standorts liegt gerade darin, dass Entwicklung, Produktion und industrielle Kompetenz innerhalb des Konzerns zusammenspielen. Diese Verbindung sollten wir stärken und nicht auflösen“, sagte Mansoori.
GUTE INDUSTRIEARBEITSPLÄTZE SICHERN
Die Automobilindustrie werde sich auch in den kommenden Jahren weiter verändern. Für Baunatal bedeute dies auch, über die bereits vorgesehenen Produkte hinaus frühzeitig für die Zeit nach 2030 zu planen. „Ein Standort dieser Größe braucht einen langfristigen Plan. Wer weiß, dass klassische Produktbereiche zurückgehen werden, muss rechtzeitig neue Arbeit nach Baunatal holen. Darüber muss jetzt gesprochen werden und nicht erst dann, wenn Kapazitäten bereits weggefallen sind.“
Mansoori verwies zudem auf die Verantwortung der Politik, wettbewerbsfähige industrielle Rahmenbedingungen zu schaffen. Hessen stärkt seine Industrie mit einem klaren Kurs: durch den Ausbau einer verlässlichen und bezahlbaren Energieversorgung, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie gezielte Investitionen in Forschung und Zukunftstechnologien. Das Industriepaket bündelt diesen Anspruch und schafft gemeinsam mit Unternehmen und Beschäftigten bessere Bedingungen für Wettbewerbsfähigkeit und gute Arbeitsplätze. Auch die Lithiumgewinnung im Oberrheingraben gehört dazu: Sie verbindet heimische Energie und strategische Rohstoffe mit Wertschöpfung in Hessen – und eröffnet gerade für die hessische Automobil- und Zulieferindustrie neue Perspektiven bei Batterien und Elektromobilität. Gleichzeitig sei auch der Bund gefragt. „Die Subventionierung chinesischer Autos mit deutschem Steuergeld muss enden“, forderte Mansoori. Verhandelt werden müsse auch über Bestandteile des Rentenpakets. Díe Vorschläge der Rentenkommission liefern teilweise sozialparterschaftlichen Modellen zum Beschäftigungsabbau durch Altersteilzeit zuwider, wie sie bei Volkswagen praktiziert werden.
„Hessen ist Autoland und soll es bleiben. Dazu gehören nicht nur die Fahrzeuge auf unseren Straßen, sondern vor allem die Menschen, die sie entwickeln und die Komponenten dafür produzieren. Um diese Arbeitsplätze und diese industrielle Kompetenz werden wir kämpfen“, sagte Mansoori.