Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum

Fachkräfte sichern: Mansoori setzt auf bessere Bedingung und mehr Wahlfreiheit

  • IAB-Betriebspanel zeigt Potenziale bei Frauen, älteren Beschäftigten und Menschen mit Behinderungen
  • 53 Prozent der beschäftigten Frauen in Hessen arbeiten in Teilzeit, bei Männern sind es 16 Prozent
  • Jeder vierte Betrieb beschäftigt Menschen, die in den kommenden zwei Jahren das Rentenalter erreichen

Hessens Wirtschaft braucht Fachkräfte – und viele von ihnen sind längst da. Der aktuelle Report des IAB-Betriebspanels 2025 für Hessen zeigt, welches Potenzial in einer besseren Nutzung vorhandener Arbeitskraft liegt. Mehr als jede zweite beschäftigte Frau arbeitet in Teilzeit. Gleichzeitig wollen viele Betriebe ältere Beschäftigte über das Rentenalter hinaus halten. Flexible Arbeitszeitmodelle spielen zudem eine wichtige Rolle dabei, Menschen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen Beschäftigung zu ermöglichen.

„Fachkräftesicherung entscheidet sich nicht allein daran, ob wir neue Arbeitskräfte gewinnen. Es geht genauso darum, den Menschen, die bereits da sind, gute Bedingungen zu bieten, damit sie ihre Fähigkeiten und ihre Erfahrung einbringen können. Dafür brauchen wir mehr Wahlfreiheit bei der Arbeitszeit, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Arbeitsbedingungen, die zu unterschiedlichen Lebensphasen passen. Wer mehr arbeiten möchte, sollte nicht an den Rahmenbedingungen scheitern“, sagte Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori.

Mehr als jede zweite beschäftigte Frau arbeitet in Teilzeit

53 Prozent der beschäftigten Frauen in hessischen Betrieben arbeiteten 2025 in Teilzeit. Bei den Männern waren es 16 Prozent. Auch bei geringfügiger Beschäftigung zeigt sich ein Unterschied: 13 Prozent der Frauen waren in Minijobs beschäftigt, gegenüber sieben Prozent der Männer. Für das IAB-Betriebspanel wurden 1.021 hessische Betriebe befragt.

Bei Ausbildung und Weiterbildung liegen Frauen und Männer dagegen deutlich näher beieinander. 47 Prozent der erfolgreichen Ausbildungsabschlüsse entfielen 2025 auf Frauen. Ebenso hoch war ihr Anteil unter denjenigen, die nach erfolgreichem Abschluss vom Ausbildungsbetrieb übernommen wurden. Die Weiterbildungsquote lag bei Frauen mit 31 Prozent leicht über der Quote der Männer mit 29 Prozent.

„Die Zahlen zeigen, dass wir genauer auf die Bedingungen schauen müssen, unter denen Menschen arbeiten. Teilzeit ist eine persönliche Entscheidung und für viele Menschen in bestimmten Lebensphasen genau das richtige Modell. Gleichzeitig müssen wir dafür sorgen, dass diejenigen, die ihre Arbeitszeit ausweiten wollen, dies auch können. Gute Fachkräftepolitik schafft dafür die Voraussetzungen – und respektiert die unterschiedlichen Lebensentwürfe der Menschen“, sagte Mansoori.

Erfahrung länger in den Betrieben halten

Auch ältere Beschäftigte sind ein wichtiger Faktor für die Fachkräftesicherung. In 24 Prozent der hessischen Betriebe arbeiten Menschen, die innerhalb der kommenden zwei Jahre die Regelaltersgrenze erreichen. 59 Prozent dieser Betriebe beabsichtigen, mindestens eine dieser Personen anschließend weiterzubeschäftigen. Insgesamt sollen 39 Prozent der dort Beschäftigten im rentennahen Alter über die Regelaltersgrenze hinaus im Betrieb bleiben.

Besonders hoch ist dieser Anteil bei Kleinstbetrieben mit bis zu neun Beschäftigten. Sie wollen 65 Prozent ihrer Beschäftigten im rentennahen Alter weiterbeschäftigen. Bei Großbetrieben liegt der Anteil bei 16 Prozent.

Mansoori: „Erfahrung und Wissen sind für unsere Unternehmen von großem Wert. Wenn Beschäftigte auch über das Rentenalter hinaus arbeiten möchten, sollten wir ihnen das ermöglichen. Davon profitieren die Menschen selbst, die Betriebe und die jüngeren Kolleginnen und Kollegen, an die Wissen und Erfahrung weitergegeben werden können.“

Flexible Arbeitsbedingungen ermöglichen Teilhabe

Der Report untersucht außerdem die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen, Schwerbehinderungen oder chronischen Erkrankungen. 22 Prozent der hessischen Betriebe gaben an, in den vergangenen zwei Jahren Menschen aus diesen Gruppen beschäftigt zu haben. In der öffentlichen Verwaltung und bei Organisationen ohne Erwerbszweck lag der Anteil mit 30 Prozent am höchsten.

Die am häufigsten genannte Maßnahme zur Integration oder Weiterbeschäftigung sind spezielle Arbeitszeitmodelle. 41 Prozent der betreffenden Betriebe setzen sie ein. 13 Prozent verfügen über eine Schwerbehindertenvertretung, sechs Prozent über eine Inklusionsbeauftragte oder einen Inklusionsbeauftragten.

„Ein moderner Arbeitsmarkt muss Menschen die Chance geben, ihre Fähigkeiten einzubringen – unabhängig davon, ob sie mit einer Behinderung oder einer chronischen Erkrankung leben. Flexible Arbeitszeiten und passende Arbeitsbedingungen können dabei einen entscheidenden Unterschied machen. Inklusion ist eine Frage der Teilhabe. Und sie hilft uns zugleich dabei, auf Fähigkeiten und Talente nicht zu verzichten, die unsere Wirtschaft dringend braucht“, sagte Mansoori.

Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, ergänzt: „Fachkräftesicherung bedeutet, dass wir die Potenziale aller Gruppen nutzen. Deshalb ist es notwendig, noch besser auf die individuellen Bedürfnisse der Beschäftigten einzugehen. Und das betrifft alle: Frauen, Männer, Arbeitgeber, Junge und Alte, Arbeitnehmer und Menschen mit und ohne Behinderung. Wenn wir dem Beschäftigtenrückgang entgegenwirken wollen, müssen wir sicherstellen, dass alle Beschäftigten gleiche Chancen auf Karriere haben. Nur so können wir ihr Wissen und ihre Erfahrung nutzen und den gesamten Arbeitsmarkt stärken.“

Hintergrund

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit lässt seit 1993 jährlich Betriebe im Rahmen des IAB-Betriebspanels befragen. Die Auswertung für Hessen erfolgt durch das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Die hessischen Zusatzauswertungen werden von der Europäischen Union, dem Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum sowie der Bundesagentur für Arbeit gefördert.

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