Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum

Arbeitsmarkt in Hessen zwischen Fachkräftesicherung, Stellenabbau und KI-Einsatz

Der Arbeitsmarkt in Hessen und Deutschland steht weiterhin vor tiefgreifenden Veränderungen, die sowohl Betriebe als auch Beschäftigte vor erhebliche Herausforderungen stellen. Trends wie der fortschreitende demografische Wandel, die Digitalisierung und strukturelle Veränderungen prägen zunehmend den betrieblichen Alltag. Die Auswertungen zum IAB-Betriebspanel 2025 stehen unter dem Rahmenthema „Ambivalenzen bei der Sicherung von Fach- und Arbeitskräften in verschiedenen Branchen – Hessische Betriebe in Zeiten von Strukturwandel und neuen Impulsen durch KI“. Der diesjährige erste Report des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) beschäftigt sich mit Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt und analysiert Personaldynamiken zwischen Fachkräftesicherung, Stellenabbau und KI-Nutzung. Dazu wurden 1.021 Betriebe befragt.

Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori hob zur Veröffentlichung hervor: „Der erste Report des IWAK zeigt, dass der Anteil der Neueinstellungen für qualifizierte Tätigkeiten im ersten Halbjahr 2025 in hessischen Betrieben erneut gestiegen ist. 62 Prozent der Neueinstellungen entfielen auf Tätigkeiten mit Berufs- oder Hochschulabschluss. Dass nahezu die Hälfte aller Neueinstellungen auf Tätigkeiten mit Berufsausbildung entfällt, unterstreicht die große Bedeutung der dualen Ausbildung. Wenn junge Menschen nach der Schule unmittelbar in Tätigkeiten ohne Berufsabschluss einsteigen, entstehen langfristig häufig Nachteile – sowohl für die Beschäftigten selbst als auch für die Fachkräftesicherung in den Betrieben. Deshalb setzen wir gezielt darauf, jungen Menschen den Übergang von Schule in Ausbildung und Beruf zu erleichtern. Das Hessische Wirtschaftsministerium unterstützt die duale Ausbildung mit zahlreichen Förderprogrammen.“

„Die aktuelle Entwicklung am Arbeitsmarkt zeigt, dass die konjunkturelle Eintrübung und die strukturelle Krise der Gesamtwirtschaft auf eine Kräfteverschiebung am Arbeitsmarkt zugunsten der Arbeitgebenden hindeuten. Zusätzlich kommt es durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) zu einer Zunahme an Komplexität und Dynamik. Aktuelle Befunde deuten darauf hin, dass die Nutzung von KI häufig mit Umstrukturierungen und erhöhter Personalfluktuation – mehr Einstellungen und mehr Abgängen – einhergeht. Vor diesem Hintergrund ist es für Jugendliche im Übergang zwischen Schule und Beruf sowie für Beschäftigte umso wichtiger, in die persönliche Aus- und Weiterbildung zu investieren – auch und vor allem mit Blick auf künftige Entwicklungen,“ betont Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit.

Anteil qualifizierter Tätigkeiten an Neueinstellungen steigt weiter an

Im ersten Halbjahr 2025 betrafen 62 Prozent der Neueinstellungen hessischer Betriebe qualifizierte Tätigkeiten mit einem Berufs- oder Hochschulabschluss, 38 Prozent entfielen auf Neueinstellungen für einfache Tätigkeiten. Damit ist der Anteil der Neueinstellungen für qualifizierte Tätigkeiten bereits das zweite Jahr in Folge gestiegen. Besonders bemerkenswert ist der Anstieg bei Neueinstellungen für qualifizierte Tätigkeiten mit Berufsausbildung von 45 Prozent im ersten Halbjahr 2024 auf 48 Prozent im ersten Halbjahr 2025.

Anteil der Betriebe mit Personalabgängen steigt an, Anteil ausgeschiedener Beschäftigter bleibt konstant

Im ersten Halbjahr 2025 waren in 29 Prozent der hessischen Betriebe Personalabgänge zu verzeichnen. Nachdem der Anteil seit 2020 leicht rückläufig war, stieg die Abgangsquote im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozentpunkte. In Westdeutschland insgesamt fiel die Quote mit 31 Prozent etwas höher aus.

Die Abgangsrate der Beschäftigten hessischer Betriebe blieb hingegen unverändert. Im ersten Halbjahr 2025 lag der Anteil ausgeschiedener Beschäftigter an allen Beschäftigten zum 30. Juni bei 5,8 Prozent. Personalabgänge resultieren in den meisten Fällen aus Arbeitnehmerkündigungen oder betrieblichen Kündigungen. Während der Anteil der Arbeitnehmerkündigungen leicht zurückging, stieg der Anteil der Personalabgänge infolge betrieblicher Kündigungen deutlich an.

Anzahl sofort gesuchter Arbeitskräfte nimmt deutlich ab

Knapp ein Drittel der Betriebe in Hessen suchte zum Befragungszeitpunkt Fach- und Arbeitskräfte, die kurzfristig eingestellt werden sollten. Der Sofortbedarf an Arbeitskräften verringerte sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich um rund 13 Prozent.

Am stärksten ging die Nachfrage nach Fachkräften mit Hochschulabschluss zurück. Die höchsten Anteile sofort gesuchter Arbeitskräfte entfielen auf Sonstige Dienstleistungen sowie Wirtschaftsnahe und Wissenschaftliche Dienstleistungen. Auch im Baugewerbe wurden anteilig mehr Arbeitskräfte dringend gesucht als Beschäftigte vorhanden waren. Kleinere Betriebe hatten gemessen an ihrer Beschäftigtenzahl weiterhin einen deutlich höheren Sofortbedarf als größere Unternehmen.

Steigende Beschäftigungszahlen mit zunehmender Betriebsgröße erwartet

In allen sechs Wirtschaftszweigen überwog die Erwartung, dass die Beschäftigtenzahlen bis Juni 2026 weitgehend stabil bleiben werden. Im Dienstleistungssektor überwogen positive Erwartungen. Auch im Baugewerbe gab es ein leichtes Übergewicht optimistischer Einschätzungen.

Mit zunehmender Betriebsgröße erwarteten mehr Betriebe steigende Beschäftigtenzahlen. Kleinere Betriebe gingen dagegen häufiger von einer weitgehend unveränderten Entwicklung aus. Die aktuelle Lage im Frühjahr 2026 zeigt jedoch weiterhin eine eher verhaltene Beschäftigungsentwicklung.

Zunehmende Nutzung von KI in den Betrieben

Beim Einsatz von KI wird zwischen generativer KI und nicht-generativer KI unterschieden. Generative KI kann eigenständig Inhalte wie Texte oder Bilder erstellen. Beispiele hierfür sind ChatGPT, Microsoft Copilot oder Google Gemini.

Während Ende 2023 lediglich knapp sechs Prozent der Betriebe generative KI einsetzten, lag dieser Anteil im Jahr 2025 bereits bei mehr als 23 Prozent. Innerhalb von zwei Jahren hat sich der Anteil damit nahezu vervierfacht.

Sowohl beim Einsatz generativer als auch nicht-generativer KI zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang mit der Betriebsgröße. Knapp die Hälfte der Großbetriebe nutzt generative KI, während dies bei Kleinstbetrieben nur auf etwa jeden fünften Betrieb zutrifft.

Hintergrundinformationen

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) lässt seit 1993 jährlich Betriebe im Rahmen des IAB-Betriebspanels durch das Marktforschungsinstitut Verian Group befragen. Die Auswertung für Hessen erfolgt durch das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Die hessischen Zusatzauswertungen werden von der Europäischen Union sowie aus Mitteln des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum und der Bundesagentur für Arbeit gefördert.

 

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