Im Vergleich zu den Flächenländern sorgt die hessische Topographie offenbar für einen leicht unterdurchschnittlichen Anteil des Radverkehrs, ist aber in den letzten 15 Jahren doch permanent angestiegen. Auch der ÖV zeigt leichte, aber über die Erhebungswellen beständige Zuwächse. Das zu Fuß gehen ist eine der großen Überraschungen im gesamten Bundesgebiet, auch wenn in Hessen der Anteil auch in 2008 schonmal auf so hohem Niveau lag. Der motorisierte Individualverkehr (MIV) sinkt insgesamt von 57 auf 52 % (Fahrt + Mitfahrt). Damit erhöht sich der Anteil der Verkehrsmittel abseits des Autos (Fuß, Rad, ÖPNV) von 43 auf 48 % aller Wege. Allerdings darf bei der Betrachtung dieser Zahlen nicht vergessen werden, dass sie sich auf die Zahl der Wege beziehen – betrachtet man die Verkehrsleistung, so erreichen ÖPNV, Rad- und Fußverkehr in Hessen 2023 einen Anteil von 26 % der erbrachten Verkehrsleistung.
Regionale Unterschiede: Städte bewegen sich anders als der ländliche Raum
Sinnvoll ist eine Betrachtung der verschiedenen Stadtregionen und ländlichen Räume in Hessen. Hier liefert die MiD die Betrachtung der Raumtypen nach RegioStaR7. Vor allem in den dort sogenannten Metropolen, Regiopolen und Großstädten ist der Anteil des ÖV mit einem Viertel bis einem Fünftel deutlich höher als in den übrigen Regionen, wo er sich zwischen 6 und 11 Prozent bewegt.
Die Entwicklung seit 2017 innerhalb der Raumtypen ist dagegen sehr ähnlich, wenn auch in anderen Anteilsbereichen. Der MIV liegt bei den Wegen in der Kategorie „Metropole“ (hier Frankfurt) lediglich bei knapp 30 Prozent und bei den Regiopolen und weiteren Großstädten bei knapp 40 Prozent, während er in den Raumtypen der Mittelstädte, Kleinstädte und zentralen Städte im Bereich zwischen 60 und 70 Prozent rangiert. Die Fuß-Anteile entwickeln sich über alle Raumtypen positiv, teils erheblich um bis zu sechs Prozentpunkte, so dass sie teils über der 30er-Schwelle liegen. Auf vergleichsweise niedrigem Niveau bleibt hier nur der ländliche Raum außerhalb der Stadtregionen.
Subjektive Wahrnehmungen: zufrieden im Auto, weniger bei den anderen Verkehrsmitteln
Allerdings korrespondieren die Modal-Split-Veränderungen in Hessen wie bundesweit nicht mit steigenden Zufriedenheiten. Im Gegenteil: Der Autoverkehr wird weitgehend unverändert bewertet, während die Noten für die Möglichkeiten im Fuß- und Radverkehr deutlich nachlassen. Der ÖPNV erhält in Hessen wie auch in anderen Regionen Deutschlands von allen Verkehrsmitteln die niedrigste Bewertung. Nur 37 Prozent schätzen diesen als sehr gut oder gut ein. Das Auto erhält dagegen in Hessen wie anderswo die besten Noten, 72 Prozent der Befragten schätzen die Situation als (sehr) gut ein. Die Ursachen für diese Trends dürften vielfältig sein, doch mit hoher Wahrscheinlichkeit gehört ein kritischerer Blick auf die Rad- und ÖPNV-Infrastruktur bei gleichzeitig leicht steigender Inanspruchnahme dazu.
Mobilität während und nach der Corona-Pandemie
Die Corona-Pandemie hat die Mobilität in Hessen nicht nur während des Lock-Downs deutlich reduziert, sondern es werden auch mittel- bis langfristige Wirkungen erwartet. Deshalb hat sich das HMWEVW an der Mobicor-Studie beteiligt, in der Fragen zur Alltagsmobilität, dem Befinden in der Zeit von Ausgangsbeschränkungen, Maskenpflicht und neuen Routinen sowie den Auswirkungen des 9-Euro-Tickets nachgespürt werden. Die Ergebnisse sind durch die gleichen Auftragnehmer methodisch kompatibel zu den regulären Erhebungen zur „Mobilität in Deutschland“ und wurden in vier Befragungswellen in 2020, 2021 und 2022 erhoben. Die Ergebnisse aus allen vier Befragungswellen stehen zum Download bereit.
LandesTicket Hessen – ein Erfolgsmodell betrieblichen Mobilitätsmanagements
Seit Einführung im Jahr 2018 ermöglicht das LandesTicket den rund 180.000 Bediensteten des Landes kostenlose Fahrten im hessischen öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) – sowohl für dienstliche als auch private Zwecke. An der Ende 2024 durchgeführte Evaluation nahmen rund 43.000 Landesbedienstete teil. Über 80 % der Nutzerinnen und Nutzer sind mit dem Ticket sehr zufrieden, besonders in städtischen Regionen. Aber auch im ländlichen Raum, wo das ÖPNV-Angebot weniger breit aufgestellt ist, liegt die Zufriedenheit mit 67 % noch recht hoch. Jede vierte Person nutzt das Ticket täglich, jede zweite mindestens einmal in der Woche.
Das Landesticket stellt einen wichtigen Teil des betrieblichen Mobilitätsmanagements dar und fördert klimaschonende Mobilität. Die tägliche Nutzung von Bus und Bahn unter den Landesbediensteten ist von 21 % vor der Einführung des LandesTickets im Jahr 2017 auf 26 % im Jahr 2024 gestiegen, während die tägliche Pkw-Nutzung deutlich von 65 % auf 50 % gesunken ist. Besonders positiv hervorzuheben ist, dass 60 % der Befragten angeben, den ÖPNV seit Einführung des Tickets häufiger zu nutzen. Gleichzeitig leben inzwischen 10 % der Landesbediensteten in Haushalten ohne Auto – ein Anstieg von 4 Prozentpunkten. Für 21 % der seit der Einführung des Landestickets neu eingestellten Landesbediensteten war das LandesTicket ein wichtiger Faktor bei der Wahl ihres Arbeitgebers, was die Attraktivität des öffentlichen Dienstes als Arbeitgeber stärkt. Auch sozialpolitisch liefert das Ticket einen bedeutenden Beitrag: So nutzen Alleinerziehende, Personen unter 20 Jahren sowie Personen in niedrigeren Besoldungs- bzw. Gehaltsgruppen das Ticket überdurchschnittlich oft. Auch die Mitnahmeregelung, die abends und am Wochenende das kostenfreie Mitfahren von einem Erwachsenen und von Kindern ermöglicht, kommt in erster Linie Familien zugute und wird insgesamt von etwa einem Drittel mindestens monatlich genutzt.
Das LandesTicket leistet einen wichtigen Beitrag für eine nachhaltige und klimafreundliche Mobilität, indem es den Umstieg auf den ÖPNV erleichtert und sowohl umwelt- als auch sozialpolitische Ziele unterstützt. Die Studie finden Sie zum Download weiter unten.