Frau steht mit Klapprad vor einer S-Bahn

Mobilität in Deutschland - Regionale Auswertung für Hessen

Das hessische Wirtschafts- und Verkehrsministerium beauftragt seit 2002 regionale Aufstockungen der Untersuchung "Mobilität in Deutschland" (MiD).

Die Untersuchungen im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr wurden von infas, Bonn, durchgeführt. Zusammen mit dem Land Hessen, vertreten durch das hessische Verkehrsministerium, haben folgende Institutionen aus Hessen die Aufstockung mitfinanziert (2017 und 2023):

  • Hessen Mobil - Straßen- und Verkehrsmanagement,
  • ivm GmbH,
  • Rhein-Main Verkehrsverbund GmbH,
  • Regionalverband FrankfurtRheinMain,
  • Magistrat der Stadt Fulda,
  • Nordhessischer Verkehrsverbund, Verkehrsverbund und Fördergesellschaft Nordhessen mbH,
  • Kasseler Verkehrsgesellschaft AG,
  • Lokale Nahverkehrsgesellschaft Frankfurt am Main mbH traffiQ,
  • Magistrat der Stadt Offenbach am Main,
  • Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt,
  • Darmstadt-Dieburger Nahverkehrsorganisation (nur 2017).

Im Rahmen der MiD wurden zwischen Mai 2023 und Juli 2024 in Hessen knapp 43.000 Personen aus etwa 20.000 Haushalten zu ihrem Mobilitätsverhalten befragt. Dabei wurden ca. 110.000 Wege erfasst. Die Ergebnisse wurden mit den Untersuchungen aus dem Jahr 2017 verglichen. Den Kurzbericht mit allen Graphiken finden Sie am Ende der Seite, der Langbericht ist derzeit noch in Bearbeitung. Die Studie zeigt: Mobilität befindet sich im Wandel – langsamer als erwartet, aber deutlich erkennbar.

Wichtige Mobilitätskennzahlen für Hessen - weniger Wege, weniger Kilometer:

  • Wir sind seltener unterwegs: 81 % der Menschen in Hessen sind täglich mobil (Abnahme gegenüber 2017, bundesweit beobachtet). Die Mobilitätsquote nimmt zu, je urbaner das Umfeld ist – die höchsten Quoten werden in der Metropole (diese Raumkategorie ist in Hessen nur durch Frankfurt besetzt) bzw. Zentren in ländlichen Räumen erreicht.
  • Wir machen weniger Wege: Es werden pro Tag 2,9 Wege pro Person zurückgelegt (Abnahme gegenüber 2017, bundesweit beobachtet).  Das tägliche Verkehrsaufkommen sinkt hessenweit von knapp 20 Mio. auf rund 18. Mio. Wege.
  • Wir legen weniger Strecke zurück: Die Tagestrecke liegt 2023 bei 35 km und hat sich somit von 40 km (2017) nach einer langen Anstiegsphase (2002: 34 km) wieder reduziert. Auf Hessen bezogen geht die Verkehrsleistung von 240 Mio. auf 220 Mio. Personenkilometer pro Tag zurück.
  • Aber nicht weniger lange: Die Unterwegszeit zeigt sich auch nach Corona relativ stabil mit 1:22 h pro Tag (2017: 1:21)
  • Diese Entwicklungen entsprechen dem Bundestrend und sind beeinflusst von wirtschaftlichen Faktoren, Homeoffice und anhaltender Nachwirkungen der Corona-Pandemie.
  • Im Modal Split kann festgehalten werden, dass dieser – bezogen auf Hessen insgesamt – dem des Bundes sehr ähnlich ist.
 Bund 2023 (in %)Hessen 2023 (in %)Hessen 2017 (in %)Hessen 2008 (in %)Hessen 2002 (in %)
Zu Fuß2627242724
Fahrrad119877
ÖV111211109
MIV-Fahrt4039434144
MIV-Mitfahrt1313141517

 

Bild zeigt Modal Split Grafik
Modal Split Grafik nach Wegen im Vergleich

Im Vergleich zu den Flächenländern sorgt die hessische Topographie offenbar für einen leicht unterdurchschnittlichen Anteil des Radverkehrs, ist aber in den letzten 15 Jahren doch permanent angestiegen. Auch der ÖV zeigt leichte, aber über die Erhebungswellen beständige Zuwächse. Das zu Fuß gehen ist eine der großen Überraschungen im gesamten Bundesgebiet, auch wenn in Hessen der Anteil auch in 2008 schonmal auf so hohem Niveau lag. Der motorisierte Individualverkehr (MIV) sinkt insgesamt von 57 auf 52 % (Fahrt + Mitfahrt). Damit erhöht sich der Anteil der Verkehrsmittel abseits des Autos (Fuß, Rad, ÖPNV) von 43 auf 48 % aller Wege. Allerdings darf bei der Betrachtung dieser Zahlen nicht vergessen werden, dass sie sich auf die Zahl der Wege beziehen – betrachtet man die Verkehrsleistung, so erreichen ÖPNV, Rad- und Fußverkehr in Hessen 2023 einen Anteil von 26 % der erbrachten Verkehrsleistung.

Regionale Unterschiede: Städte bewegen sich anders als der ländliche Raum

Sinnvoll ist eine Betrachtung der verschiedenen Stadtregionen und ländlichen Räume in Hessen. Hier liefert die MiD die Betrachtung der Raumtypen nach RegioStaR7. Vor allem in den dort sogenannten Metropolen, Regiopolen und Großstädten ist der Anteil des ÖV mit einem Viertel bis einem Fünftel deutlich höher als in den übrigen Regionen, wo er sich zwischen 6 und 11 Prozent bewegt.

Die Entwicklung seit 2017 innerhalb der Raumtypen ist dagegen sehr ähnlich, wenn auch in anderen Anteilsbereichen. Der MIV liegt bei den Wegen in der Kategorie „Metropole“ (hier Frankfurt) lediglich bei knapp 30 Prozent und bei den Regiopolen und weiteren Großstädten bei knapp 40 Prozent, während er in den Raumtypen der Mittelstädte, Kleinstädte und zentralen Städte im Bereich zwischen 60 und 70 Prozent rangiert. Die Fuß-Anteile entwickeln sich über alle Raumtypen positiv, teils erheblich um bis zu sechs Prozentpunkte, so dass sie teils über der 30er-Schwelle liegen. Auf vergleichsweise niedrigem Niveau bleibt hier nur der ländliche Raum außerhalb der Stadtregionen.

Subjektive Wahrnehmungen: zufrieden im Auto, weniger bei den anderen Verkehrsmitteln

Allerdings korrespondieren die Modal-Split-Veränderungen in Hessen wie bundesweit nicht mit steigenden Zufriedenheiten. Im Gegenteil: Der Autoverkehr wird weitgehend unverändert bewertet, während die Noten für die Möglichkeiten im Fuß- und Radverkehr deutlich nachlassen. Der ÖPNV erhält in Hessen wie auch in anderen Regionen Deutschlands von allen Verkehrsmitteln die niedrigste Bewertung. Nur 37 Prozent schätzen diesen als sehr gut oder gut ein. Das Auto erhält dagegen in Hessen wie anderswo die besten Noten, 72 Prozent der Befragten schätzen die Situation als (sehr) gut ein. Die Ursachen für diese Trends dürften vielfältig sein, doch mit hoher Wahrscheinlichkeit gehört ein kritischerer Blick auf die Rad- und ÖPNV-Infrastruktur bei gleichzeitig leicht steigender Inanspruchnahme dazu.

Mobilität während und nach der Corona-Pandemie

Die Corona-Pandemie hat die Mobilität in Hessen nicht nur während des Lock-Downs deutlich reduziert, sondern es werden auch mittel- bis langfristige Wirkungen erwartet. Deshalb hat sich das HMWEVW an der Mobicor-Studie beteiligt, in der Fragen zur Alltagsmobilität, dem Befinden in der Zeit von Ausgangsbeschränkungen, Maskenpflicht und neuen Routinen sowie den Auswirkungen des 9-Euro-Tickets nachgespürt werden. Die Ergebnisse sind durch die gleichen Auftragnehmer methodisch kompatibel zu den regulären Erhebungen zur „Mobilität in Deutschland“ und wurden in vier Befragungswellen in 2020,  2021 und 2022 erhoben. Die Ergebnisse aus allen vier Befragungswellen stehen zum Download bereit.

LandesTicket Hessen – ein Erfolgsmodell betrieblichen Mobilitätsmanagements

Seit Einführung im Jahr 2018 ermöglicht das LandesTicket den rund 180.000 Bediensteten des Landes kostenlose Fahrten im hessischen öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) – sowohl für dienstliche als auch private Zwecke. An der Ende 2024 durchgeführte Evaluation nahmen rund 43.000 Landesbedienstete teil. Über 80 % der Nutzerinnen und Nutzer sind mit dem Ticket sehr zufrieden, besonders in städtischen Regionen. Aber auch im ländlichen Raum, wo das ÖPNV-Angebot weniger breit aufgestellt ist, liegt die Zufriedenheit mit 67 % noch recht hoch. Jede vierte Person nutzt das Ticket täglich, jede zweite mindestens einmal in der Woche.

Das Landesticket stellt einen wichtigen Teil des betrieblichen Mobilitätsmanagements dar und fördert klimaschonende Mobilität. Die tägliche Nutzung von Bus und Bahn unter den Landesbediensteten ist von 21 % vor der Einführung des LandesTickets im Jahr 2017 auf 26 % im Jahr 2024 gestiegen, während die tägliche Pkw-Nutzung deutlich von 65 % auf 50 % gesunken ist. Besonders positiv hervorzuheben ist, dass 60 % der Befragten angeben, den ÖPNV seit Einführung des Tickets häufiger zu nutzen. Gleichzeitig leben inzwischen 10 % der Landesbediensteten in Haushalten ohne Auto – ein Anstieg von 4 Prozentpunkten. Für 21 % der seit der Einführung des Landestickets neu eingestellten Landesbediensteten war das LandesTicket ein wichtiger Faktor bei der Wahl ihres Arbeitgebers, was die Attraktivität des öffentlichen Dienstes als Arbeitgeber stärkt. Auch sozialpolitisch liefert das Ticket einen bedeutenden Beitrag: So nutzen Alleinerziehende, Personen unter 20 Jahren sowie Personen in niedrigeren Besoldungs- bzw. Gehaltsgruppen das Ticket überdurchschnittlich oft. Auch die Mitnahmeregelung, die abends und am Wochenende das kostenfreie Mitfahren von einem Erwachsenen und von Kindern ermöglicht, kommt in erster Linie Familien zugute und wird insgesamt von etwa einem Drittel mindestens monatlich genutzt.

Das LandesTicket leistet einen wichtigen Beitrag für eine nachhaltige und klimafreundliche Mobilität, indem es den Umstieg auf den ÖPNV erleichtert und sowohl umwelt- als auch sozialpolitische Ziele unterstützt. Die Studie finden Sie zum Download weiter unten.

Schlagworte zum Thema