Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum

Neues Rekordhoch bei Innovationen in Hessen

Auch im Jahr 2024 stellte der Fachkräftemangel die größte arbeitsmarktpolitische Herausforderung für Betriebe aller Branchen dar. Zudem zeigt der vorliegende Gesamtbericht des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK), dass die wirtschaftliche Lage der Betriebe von ambivalenten Entwicklungen geprägt war. Viele Betriebe sahen sich z. B. gezwungen, Kompromisse bei der Rekrutierung von Fachkräften einzugehen und akzeptierten einen höheren Einarbeitungsaufwand. Gleichzeitig erwarteten erstmalig mehr Betriebe einen Rückgang der Gesamtbeschäftigung als eine positive Beschäftigungsentwicklung – insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe.

Der Gesamtbericht umfasst zum einen die bereits unterjährig veröffentlichten Einzelreports (1.) zur aktuellen Personalsituation in hessischen Betrieben, (2.) zur betrieblichen Ausbildung, (3.) zu Anreizen der Betriebe zur Mitarbeitendenbindung sowie (4.) zur Beschäftigungssituation von Frauen und Männern. Darüber hinaus enthält der Gesamtbericht ein zusätzliches Kapitel zur wirtschaftlichen Situation der Betriebe und diskutiert die Ergebnisse aus der Auswertung des IAB-Betriebspanels 2024 im Kontext des Rahmenthemas „Betrieblicher Alltag zwischen (schmerzhaften) Kompromissen und neuen Herausforderungen in den Betrieben in Hessen“. Die Auswertungen basieren auf der Befragung von1.068 hessischen Betrieben.

Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori hob zur Veröffentlichung hervor: “Der vorliegende Gesamtbericht zeigt wieder einmal sehr eindrücklich, dass die wirtschaftliche Situation der Betriebe in Hessen auch im Jahr 2024 weiterhin von einschneidenden globalen Krisen und damit verbundenem Strukturwandel geprägt war. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen haben im Vergleich mit größeren Betrieben besondere Herausforderungen zu meistern, um dringend benötigte Innovationen hervorzubringen und Investitionen tätigen zu können.

Daher unterstützt das Wirtschaftsministerium durch vielfältige Förderprogramme. Ein wesentlicher Baustein ist der HessenFonds als wirksamer Industrie- und Innovationsfonds. Der HessenFonds wurde mit einer Gesamtfördersumme von 1 Mrd. Euro aufgelegt, um innovative Unternehmen zu unterstützen und den notwendigen Wandel zu begleiten. Und das möglichst unbürokratisch, ganz nach dem Motto ‚Ihr habt Mut, wir haben Mittel‘. Das ist gleichzeitig entscheidend für die Bereitstellung von Ausbildungsplätzen. Nur wenn Unternehmen in den Standort investieren, wird es dauerhaft ausreichend Plätze geben und nur wenn wir gut ausgebildete Fach- und Arbeitskräfte zur Verfügung haben, können wir unsere Wirtschaft am Laufen halten.“

„Die Betriebe in Hessen reagieren auf die anhaltenden Herausforderungen einerseits mit Innovationen, andererseits mit schmerzhaften Kompromissen. Bei der Rekrutierung von Fachkräften setzen sie verstärkt auf Mitarbeiterbindung durch flexible Arbeitszeitmodelle, familienfreundliche Arbeitsgestaltung, mobiles Arbeiten und Weiterbildung. Auf dem Ausbildungsmarkt dagegen bestätigen die Ergebnisse des IAB Betriebspanels unsere Beobachtungen aus der Praxis. Der Anteil ausbildender Betriebe sinkt immer weiter. Dies darf nicht zu einem Teufelskreis werden. Denn neben Weiterbildung ist die Ausbildung junger Menschen für den langfristigen Fachkräftebestand von zentraler Bedeutung. Deswegen arbeitet die Bundesagentur für Arbeit mit den Betrieben eng zusammen und wird diese Unterstützung weiter ausbauen – zum Vorteil der Berufswege der Menschen und letztlich für die Innovationskraft hessischer Betriebe,“ sagte Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen.

Die wirtschaftliche Situation der Betriebe

Technischer Stand der Anlagen und der Betriebs- und Geschäftsausstattung leicht verbessert

In der Befragung des IAB-Betriebspanels beurteilen die Betriebe jährlich den technischen Stand ihrer Anlagen sowie der Betriebs- und Geschäftsausstattung. Im Jahr 2024 beurteilten die Betriebe den technischen Stand insgesamt etwas positiver, als es noch 2023 der Fall war. Dabei fielen die Bewertungen im Dienstleistungssektor etwas positiver aus als in der Produktion.

Der Anteil der investierenden Betriebe in Hessen überwiegt den Anteil in Westdeutschland insgesamt

Während der Anteil investierender Betriebe in Westdeutschland im Jahr 2023 im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozentpunkte auf 45 Prozent zurückging, liegt der Anteil investierender Betriebe in Hessen seit dem Jahr 2021 stabil bei 50 Prozent.

Im Geschäftsjahr 2023 hat im Baugewerbe der höchste Anteil der hessischen Betriebe investiert (62 Prozent), über die Hälfte waren es auch im Verarbeitenden Gewerbe (57 Prozent) sowie in den Wirtschaftsnahen und Wissenschaftlichen Dienstleistungen (51 Prozent). Etwas weniger als die Hälfte der Betriebe investierten in Handel und Reparatur (48 Prozent), in Sonstigen Dienstleistungen (46 Prozent) sowie in der Öffentlichen Verwaltung und in Organisationen ohne Erwerbszweck (45 Prozent). Dabei zeigt sich ein klarer Betriebsgrößeneffekt: 70 Prozent der hessischen Großbetriebe haben 2023 investiert, 63 Prozent der mittelgroßen Betriebe, 55 Prozent der Kleinbetriebe und 47 Prozent der Kleinstbetriebe.

Neues Rekordhoch bei Innovationen in Hessen – Anteil innovativer Betriebe in Hessen höher als in Westdeutschland

Nach der Überwindung des Pandemietiefs stieg der Anteil innovativer Betriebe in Hessen 2023 auf den Rekordwert von 52 Prozent an. In den westdeutschen Bundesländern insgesamt war ebenfalls eine Zunahme des Anteils innovativer Betriebe zu beobachten, mit 46 Prozent fiel der Anteil innovativer Betriebe 2023 aber deutlich geringer aus als in Hessen. Das Verarbeitende Gewerbe stellte dabei den Wirtschaftszweig mit dem höchsten Anteil innovativer Betriebe dar (72 Prozent). Mittelhohe Anteile entfielen auf Wirtschaftsnahe und Wissenschaftliche Dienstleistungen (58 Prozent), Handel und Reparatur (55 Prozent) sowie Sonstige Dienstleistungen (52 Prozent). Ein geringerer Anteil war für das Baugewerbe (43 Prozent) und ein deutlich geringerer Anteil für die Öffentliche Verwaltung und Organisationen ohne Erwerbszweck (24 Prozent) zu verzeichnen. Dabei war die Weiterentwicklung und Verbesserung von Produkten oder Dienstleistungen im Jahr 2023 in allen Wirtschaftszweigen die am häufigsten umgesetzte Innovation.

Anteil der Betriebe mit der Einschätzung einer guten Ertragslage im Jahr 2023 leicht gesunken

Der Anteil der Betriebe, die ihre Ertragslage als gut bis sehr gut einschätzten, ging im ersten Pandemiejahr 2020 um zwölf Prozentpunkte auf 48 Prozent zurück. Im Folgejahr 2021 stieg der Anteil der Betriebe mit einer als gut oder sehr gut eingeschätzten Ertragslage wieder leicht auf 51 Prozent an. Der sich mit Blick auf die Ertragslage andeutende wirtschaftlicher Aufschwung setzte sich jedoch nicht fort. Im Jahr 2023 nahm der Anteil der Betriebe mit sehr guter oder guter Ertragslage leicht ab und lag bei 50 Prozent.

Mehr Konkurrenz- und Wettbewerbsdruck

Während im Jahr 2022 rund 17 Prozent der hessischen Betriebe einen hohen Konkurrenz- und Wettbewerbsdruck empfanden, ist der entsprechende Betriebsanteil bis zum Jahr 2024 deutlich auf 30 Prozent gestiegen. Hohem oder sehr hohem Wettbewerbsdruck sahen sich relativ viele Betriebe vor allem im Verarbeitenden Gewerbe (40 Prozent), in Wirtschaftsnahen und Wissenschaftlichen Dienstleistungen (37 Prozent) sowie in Handel und Reparatur (36 Prozent) ausgesetzt.

Gleichbleibende Geschäftserwartungen bei mehr als der Hälfte der Betriebe

Während der Anteil der Betriebe mit gleichbleibenden Geschäftserwartungen in den Jahren 2008 bis 2019 bei 50 bis 59 Prozent lag, trübten sich die Geschäftserwartungen im ersten Pandemiejahr merklich ein. Ein gleichbleibendes Geschäftsvolumen erwarteten im Jahr 2020 nur noch 29 Prozent der Betriebe. Der Anteil der Betriebe mit steigenden Geschäftserwartungen ist von 28 Prozent im Jahr 2019 auf 16 Prozent 2020 gesunken. Seit dem Jahr 2021 ist wieder eine positive Entwicklung zu erkennen. Der Anteil der Betriebe mit gleichbleibenden Geschäftserwartungen lag 2024 wieder bei 55 Prozent – dem höchsten Wert seit 2018. Eine negative Entwicklung zeigte sich dagegen bei den steigenden Geschäftserwartungen. Während der entsprechende Betriebsanteil nach dem Pandemietief 2021 wieder auf 28 Prozent gestiegen war, erwarteten 2024 lediglich 16 Prozent der Betriebe ein steigendes Geschäftsvolumen.

Hintergrundinformationen

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) lässt seit 1993 jährlich Betriebe im Rahmen des IAB-Betriebspanels durch das Marktforschungsinstitut Verian Group (ehemals Kantar Public) befragen. Die Auswertung für Hessen erfolgt durch das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Gefördert werden die hessischen Zusatzauswertungen von der Europäischen Union und aus Mitteln des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum sowie der Bundesagentur für Arbeit.

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