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Flugverkehr

Neues Lärmschutzverfahren am Frankfurter Flughafen getestet

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Rollfeld Frankfurter Flughafen
© HMWEVL

Ein neues Cockpit-Assistenzsystem zur Verringerung von Fluglärm ist am Frankfurter Flughafen erfolgreich getestet worden. Der Lärm der Flugzeuge unterhalb der Anflugroute konnte um bis zu 1,5 Dezibel verringert werden. „Das ist nicht nur eine messbare, sondern auch eine hörbare Verbesserung für die Menschen, die entlang der Anflugrouten leben“, sagte Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir am Mittwoch in Wiesbaden. Der dreitägige Testbetrieb im September des vergangenen Jahres wurde vom DLR – Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt mit einem institutseigenen Forschungsflugzeug vom Typ A320 durchgeführt. Das Projekt wurde mit 560.000 Euro aus Mitteln des Landes Hessen gefördert.

Weniger Lärm und Treibstoffverbrauch beim Landeanflug

Mit dem neuen System bekommen Piloten auf einem Display im Cockpit den optimalen Zeitpunkt zum Ausfahren der Landeklappen und des Fahrwerks sowie die ökonomischste Fluggeschwindigkeit während der Landung angezeigt. Ziel ist es, dass die Triebwerke des Flugzeugs möglichst lange im Leerlauf betrieben werden können. „Damit kann das besonders laute zwischenzeitliche 'Gas geben' im Landeanflug auf ein Minimum reduziert werden“, so der Minister. „Weil damit zugleich der Treibstoffverbrauch um 10 bis 20 Prozent in der letzten Flugphase reduziert werden konnte, werden damit die Umwelt und das Klima geschont und die Fluggesellschaften sparen zudem bares Geld.“

Das Setzen der Landeklappen und das Herausfahren des Fahrwerks werden von den Besatzungen bislang nach einer Checkliste und hinsichtlich des Zeitpunktes meist intuitiv erledigt. Aus vorhandenen Lärmmessdaten ist bekannt, dass Anflüge sehr unterschiedliche Lautstärke entwickeln – selbst bei gleichem Flugzeugtyp. Wechselnde Luftdruck-, Wind- und Temperaturverhältnisse können das allein nicht erklären.

Pilotenassistenzsysteme mit Potenzial

Anke Giesen, Vorstand Operations, Fraport AG: „Die Ergebnisse der am Flughafen Frankfurt durchgeführten Tests bestätigen das Potenzial für Pilotenassistenzsysteme wie LNAS. Mit einem optimierten Landeanflug können Lärm und Schadstoffimmission reduziert werden. Als internationaler Innovationstreiber in Sachen aktiver Lärmschutz würden wir eine längere Erprobung von LNAS durch eine oder mehrere Luftverkehrsgesellschaften in Frankfurt sehr begrüßen, um weitere valide Forschungsdaten für eine zukünftige Anwendung im Regelbetrieb zu gewinnen.“

„Die am Test beteiligten Flugzeugbesatzungen haben sich im Allgemeinen positiv zum Assistenzsystem geäußert“, sagte Günter Lanz, Geschäftsführer des Umwelt- und Nachbarschaftshauses in Kelsterbach. „Besonders gelobt wurde die eingängige grafische Darstellung und der angemessene Level der Automation. Die Piloten halten das System für praxistauglich. Das System hat den ersten Realitätstest bestanden.“

Nächster Schritt: Testbetrieb im regulären Flugbetrieb

Die Fluggesellschaft Condor hat nun angekündigt, alle in Frankfurt stationierten A321-Maschinen mit dem Assistenzdisplay auszurüsten und einen einjährigen Testbetrieb innerhalb des regulären Flugbetriebs durchzuführen. Das Expertengremium Aktiver Schallschutz des Forum Flughafen und Region wird die Maßnahme weiterhin fachlich begleiten. Al-Wazir: „Ich freue mich, dass hierdurch der nächste Schritt im Projekt ermöglicht wird, nämlich die Prüfung im regelmäßigen Betrieb einer Airline“. 

HINTERGRUND

Die Wetterlage, schlechte Sichtbedingungen, das Gewicht eines Flugzeugs oder auch die Vorgaben der Flugsicherung beeinflussen jede Landung auf ihre Weise. Gerade in diesen für die Piloten hoch anspruchsvollen Flugphasen leistet das LNAS-System (Low Noise Augmentation System) Unterstützung. Während des Tests wurden die Anflüge auf Frankfurt mal mit, mal ohne Assistenzsystem geflogen.

Das Programm umfasste insgesamt fünf Testflüge von jeweils fünf Stunden einschließlich Start, Anflug und Turnaround in Frankfurt auf die Landebahn Nordwest. Bei jedem Testflug wird der Flugkapitän, ein Pilot des DLR, von vier Co-Piloten begleitet, die jeweils zwei Anflüge im normalen, operationellen Betrieb, einmal mit und einmal ohne Pilotenassistenzsystem durchführen.

Die Testflüge fanden zwischen dem 26. und 28. September 2016 statt.

Auftraggeber des Projekts ist die gemeinnützige Umwelt- und Nachbarschaftshaus-GmbH, die Teil des vom Land Hessen eingerichteten Forum Flughafen und Region ist.

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