Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen

Jahrestreffen Bündnis Ausbildung Hessen

Mehr Jugendliche für Berufsausbildung gewinnen

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Eine Schülerin arbeitet an einem technischen Gerät
© Juice Images / Fotolia

Wirtschaft, Politik und Arbeitsverwaltung in Hessen wollen mehr junge Menschen für eine duale Berufsausbildung gewinnen: „Es ist ein ermutigendes Zeichen, dass es 2017 erstmals nach sechs Jahren wieder mehr Ausbildungsverträge gab“, sagte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir nach einem Treffen des Bündnisses Ausbildung Hessen. „Aber wir müssen weiter beharrlich daran arbeiten, dass möglichst keine ausbildungswilligen Jugendlichen in Hessen unversorgt bleiben und unsere Unternehmen ihren Nachwuchsbedarf decken können. Auch die Integration junger Flüchtlinge in die Ausbildung verlangt weiterhin koordinierte Anstrengungen.“

Mitglieder und Maßnahmen

Al-Wazir sprach sich für eine Fortsetzung des 2015 geschlossenen, ursprünglich bis 2019 befristeten Bündnisses aus. Mitglieder sind der Hessische Industrie- und Handelskammertag, die Arbeitsgemeinschaft hessischer Handwerkskammern, die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände, der Verband Freier Berufe in Hessen, die kommunalen Spitzenverbände, der DGB Hessen-Thüringen, die Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit und die Landesregierung.

Ziel ist es, mehr Jugendliche und Betriebe für eine Berufsausbildung zu gewinnen. Dazu wurden bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt: Für Schulabgänger wurde ein verpflichtendes Beratungsangebot zur Berufsorientierung eingeführt, Ausbildungsabsolventen mit guten Noten können seit Herbst 2016 in Hessen als einzigem Bundesland auch ohne Abitur ein Studium aufnehmen, und kleine Unternehmen werden bei der Verbesserung ihres Ausbildungsangebots unterstützt.

Bilanz des Bündnisses

„Auch wenn im letzten Jahr die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge anstieg, dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, dass gleichzeitig fast 2.700 Lehrstellen zum 30. September nicht besetzt werden konnten“, sagte Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit. „Das Plus an Bewerberinnen und Bewerbern bei den Agenturen für Arbeit in Hessen hat 2017 ebenso die Zahl der unversorgten Jugendlichen im Vergleich zum Vorjahr steigen lassen. Die ersten Zahlen aus 2018 zeigen uns, dass sich die Situation nicht maßgeblich entspannen wird. Angesichts dieser Entwicklung müssen wir die berufliche Bildung weiterhin als eine unserer wichtigsten Aufgaben begreifen.“

Eberhard Flammer, Präsident des Hessischen Industrie- und Handelskammertages, wies auf die Schwierigkeiten der Unternehmen bei der Suche nach Nachwuchs hin: „Die Zunahme an Abiturienten verstärkt die Zunahme an Studierwilligen. Verbesserungspotenzial sehen die hessischen IHK-Unternehmen vor allem bei der Berufsorientierung an den Gymnasien, aber auch bei den Kompetenzen, die für das erfolgreiche Absolvieren einer dreijährigen Berufsausbildung notwendig sind: Beispielsweise Durchhaltevermögen und Disziplin.“

„In Hessen haben wir eine der fortschrittlichsten Regelungen für den Hochschulzugang nach einer Berufsausbildung“, sagte Michael Rudolph, Bezirksvorsitzender des DGB Hessen-Thüringen. „Diese Angebote müssen aber besser beworben und Interessierte besser beraten werden. Digitale Inhalte werden auch in der Berufsausbildung zunehmend eine größere Rolle spielen. Das wird zu erheblichen Bedarfen bei Ausstattung und Personal in den beruflichen Schulen des Landes führen. Bereits jetzt droht ein Mangel an Fachlehrerinnen und Fachlehrern. Das Land muss hier entschlossener handeln.“

Klaus Repp, Vizepräsident der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern, wies darauf hin, dass das Handwerk auf leistungsfähige und ausbildungswillige Schulabgänger zur Sicherung des Fachkräftebedarfs angewiesen ist. „Schulen haben daher ihre Schülerinnen und Schüler konsequent auf das Leben nach der Schule vorzubereiten. Dazu zählt eine vertiefte Berufsorientierung. Hier sind die vielfältigen Maßnahmen und Instrumente, die in den letzten Jahren entwickelt wurden und insbesondere in den Haupt- und Realschulzweigen ihren Einsatz finden, jetzt konsequent auch auf die Schulformen zu übertragen, die zur allgemeinen Hochschulreife führen. Die hessischen Gymnasien sind gefordert, die Berufsorientierung gleichwertig zur Studienorientierung zu etablieren.“

Wolf Matthias Mang, Präsident der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände, sieht die Stärkung der Attraktivität der dualen Berufsausbildung als gemeinsame Aufgabe von Wirtschaft und Politik. „Das hohe Ausbildungsengagement unserer Unternehmen sollte der Staat mit flankierenden Maßnahmen begleiten. Die Öffnung des Hochschulzugangs für Leistungsstarke ohne Hochschulreife direkt nach einer erfolgreichen Berufsausbildung ist bisher als Modellversuch gut angelaufen und bundesweit einmalig. Hinzukommen sollte jetzt eine Verschlankung der berufsschulischen Vollzeitangebote bis zur Hochschulreife, um eine wachsende Konkurrenz zur dualen Ausbildung abzubauen.“

„Das Angebot der Berufsorientierung in den Schulen im Rahmen des Bündnisses ist der richtige Weg, den jungen Menschen in unserem Land die Vielfalt der beruflichen Möglichkeiten näherzubringen“, stellte der Direktor des Hessischen Landkreistages, Prof. Dr. Jan Hilligardt fest. „So kann unser Nachwuchs unmittelbar erfahren, ob der anfängliche Traumberuf auch wirklich der spätere Wunschberuf bleibt. Ein weiterer Effekt ist, dass nebenbei auch die beruflichen Möglichkeiten vor Ort sicht- und erlebbar gemacht werden.“

Stephan Gieseler, Geschäftsführender Direktor des Hessischen Städtetages, zog ebenfalls eine positive Bilanz des Bündnisses: „Die Ausbildungsplatzzahlen der kommunalen Verwaltungen sind nach wie vor auf einem hohen Stand. Viele Plätze blieben aber noch unbesetzt. Wir ermuntern junge Menschen für eine Berufstätigkeit in der öffentlichen Verwaltung.“

„Mit der Zusammenführung der Bildungsgänge des Übergangsbereichs zu einem Angebot im Schulversuch „Berufsfachschule zum Übergang in Ausbildung“ – kurz: BÜA – wird der Übergangsbereich transparent und klar strukturiert“, erklärte Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz. „Innerhalb des ersten Jahres führt BÜA durch den Fokus auf Berufsorientierung, die leistungsdifferenzierte Förderung in den Kernfächern und die Stärkung der sozialen Kompetenzen zielgerichtet auf eine duale Ausbildung hin. Gleichzeitig können in BÜA erbrachte Leistungen den ausbildungsbegleitenden Erwerb des mittleren Abschlusses maßgeblich erleichtern. Die Doppelqualifikation Ausbildungsabschluss und mittlere Reife lässt sich somit um ein Jahr schneller erreichen, als wenn die Abschlüsse nacheinander erworben werden.“

„Steigende Teilnehmerzahlen belegen, dass der Modellversuch zum Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte von dieser Personengruppe immer besser angenommen wird“, sagte Staatssekretär Patrick Burghardt vom Hessischen Wissenschaftsministerium. „Damit wird das Ziel der Landesregierung, Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung herzustellen, nachhaltig gefördert.“

„Möglichst alle Menschen, die eine Ausbildung wollen, sollen dieses Ziel auch erreichen können“, sagte Staatssekretär Dr. Wolfgang Dippel vom Hessischen Sozialministerium: „Das Sozialministerium hilft, u. a. mit seinem Ausbildungs- und Qualifizierungsbudget und mit dem Netzwerk TAff (Teilzeit-Ausbildung finden und fördern), bei der Überwindung von Schwierigkeiten.“

Für die Freien Berufe in Hessen ist der Fachkräftemangel bereits spürbar; deswegen ist die Förderung der Berufsorientierung an allgemeinbildenden Schulen insbesondere auch an Gymnasien von zentraler Bedeutung. „Die Besetzung von freien Ausbildungsstellen wird zumindest speziell im Rhein-Main-Gebiet zunehmend schwieriger", sagt Frau Dr. Karin Hahne, Präsidentin des Verbandes der Freien Berufe in Hessen. Deswegen ist die Förderung der Qualität der Ausbildung sowie der Aufstiegsmöglichkeiten eine notwendige Grundlage, Schulabgängern die Entscheidung für eine Ausbildung im dualen System zu erleichtern.

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