Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung
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IAB-Betriebspanel 2015

Mehr ältere Beschäftigte, mehr Frauen in Teilzeit

Thema: 
Wirtschaft & Finanzplatz Frankfurt
14.11.2016Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung

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Auszubildender im Betrieb
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Die Veränderung der Altersstruktur und der technologische Fortschritt lassen erwarten, dass der Bedarf an un- oder angelerntem Personal zurückgeht, die Nachfrage nach Fachkräften steigt und bisher unterrepräsentierte Gruppen wie Frauen oder Ältere in den Fokus der Personalpolitik gelangen. Ob sich diese Trends bereits in den hessischen Betrieben abzeichnen, zeigt das aktuelle IAB-Betriebspanel auf. Befragt wurden rund 1.000 Betriebe in Hessen.

Die Ergebnisse:

  • Qualifikationsstruktur: Rund 53 Prozent der Beschäftigten haben eine abgeschlossene Lehre, der Anteil der Einfachbeschäftigten nahm in den vergangenen Jahren zu.
  • Frauenerwerbstätigkeit: Frauen sind überdurchschnittlich in einfachen Tätigkeiten, Teilzeit und befristeter Beschäftigung repräsentiert.
  • Ältere Beschäftigte: Der Anteil wächst kontinuierlich, altersbezogene betriebliche Maßnahmen sind kaum existent.

Kaum Veränderungen bei der Qualifikationsstruktur

2015 bildeten Arbeitnehmer, die einer qualifizierten Tätigkeit mit abgeschlossener Ausbildung nachgingen, mit rund 53 Prozent die größte Gruppe an allen Beschäftigten. Gleichzeitig übte fast jeder fünfte Beschäftigte (21 Prozent) eine einfache Tätigkeit aus, die keine Berufsausbildung oder Berufserfahrung erforderte. Seit 2009 hat sich der Anteil Einfachbeschäftigter an der Gesamtbeschäftigung sogar leicht erhöht (+ 2 Prozentpunkte), während der Anteil der qualifizierten Beschäftigten sank (-2 Prozentpunkte). Entgegen allen Prognosen sind die Beschäftigungschancen für Einfachbeschäftigte damit weiterhin gut. Bei den Arbeitnehmern, die eine Tätigkeit  mit Hochschulabschluss ausübten, zeigten sich dagegen über die Jahre kaum Schwankungen (Anteil 2015: 16,2 Prozent). Vorstände, Geschäftsführer oder auch Auszubildende blieben über den Betrachtungszeitraum auf einem niedrigen Niveau stabil.

Frauen blieben weiterhin in qualifizierten Tätigkeiten unterrepräsentiert

2015 waren rund 44 Prozent der Gesamtbeschäftigten in Hessen Frauen. Ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis zeigte sich 2015 lediglich bei den Einfachbeschäftigungsverhältnissen. Der Frauenanteil bei qualifizierten Tätigkeiten mit abgeschlossener Lehre sank sogar im Betrachtungszeitraum um 4 Prozentpunkte auf 45 Prozent. Ebenso fiel der Anteil bei den Auszubildenden auf 39 Prozent. Gleichzeitig erhöhte sich allerdings der Anteil von Frauen mit Hochschulabschluss. Frauen als Inhaberin, Vorstandsmitglied oder Geschäftsführerin kamen seit 2009 mit einem Anteil von ungefähr 22 Prozent durchweg am seltensten vor.

Mit einem Anteil von knapp drei Viertel an den Teilzeitbeschäftigten stellen Frauen die Mehrheit in dieser Beschäftigungsform und sind zudem häufiger befristet angestellt. Die Teilzeitquote der Frauen erreichte 2015 mit 49 Prozent ihren bisherigen Höchststand.

Anteil älterer Beschäftigter stieg weiter

Der Anteil älterer Beschäftigter an der Gesamtbeschäftigung nahm in Hessen seit 2011 stetig zu. Zählte  vor vier Jahren gut jeder vierte Beschäftigte (28 Prozent) zu dieser Gruppe, war 2015 bereits fast jeder Dritte (32 Prozent) 50 Jahre oder älter. Insgesamt waren 2015 in Hessen hochgerechnet rund 735.000 Beschäftigte 50 bis 59 Jahre alt und etwa 216.000 60 Jahre und älter.

Auch wenn der Anteil älterer Beschäftigte seit der vorigen Erhebung 2011 in hessischen Betrieben zugenommen hat, boten immer weniger hessische Betriebe spezielle Maßnahmen für Ältere an. Weiterbildungsangebote, individuelle Anpassungen der Leistungs- und Arbeitsanforderungen oder eine besondere Ausstattung der Arbeitsplätze wurden nur selten realisiert. Der Aspekt des altersgerechten Arbeitens hat folglich nach wie vor einen geringen Stellenwert bei den Betrieben.

Aufholbedarf bei Fachkräftesicherung

Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen, sieht anhand der Befragungsergebnisse beim Thema Fachkräftesicherung weiterhin Aufholbedarf bei den hessischen Betrieben: „Die Befragungsergebnisse zeigen, dass entgegen der Erwartungen noch kein richtiges Umdenken in der Arbeitswelt eingesetzt hat, um dem steigenden Fachkräftebedarf zu begegnen. Die Erhöhung des Frauenanteils gemessen an der Gesamtbeschäftigung sowie personalpolitische Strategien im Umgang mit einer immer älter werdenden Belegschaft bleiben als Aufgabe bestehen. Hier ist im Hinblick auf die demografischen und technologischen Veränderungen in der Arbeitswelt Kreativität und Gestaltungswillen gefragt, um die immer noch unterrepräsentierten Personengruppen wie Frauen, Ältere, Menschen mit Behinderungen und Ausländer weiter in die Betriebe zu integrieren.“

Weiterbildung gewinnt an Bedeutung

Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir  weist auf die zunehmende Bedeutung der Weiterbildung hin: „Das sinkende Arbeitskräfteangebot macht es nötig, innerbetriebliche Potenziale stärker zu nutzen. Insbesondere die Hinführung geringqualifizierter Beschäftigter zu einem anerkannten Berufsabschluss wird ein wichtiges Element der Personalentwicklung. Hessen unterstützt deshalb mit der Landesinitiative ProAbschluss vor allem kleine und mittlere Unternehmen bei dieser Aufgabe. Denn für den Standort Hessen ist das Fachkräfteangebot ein entscheidender Faktor.“

Hintergrundinformation:

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) lässt seit 1993 jährlich Betriebe im Rahmen des IAB-Betriebspanels durch TNS Infratest Sozialforschung befragen. Die Auswertung für Hessen erfolgt durch das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur. Finanziert werden die hessischen Zusatzauswertungen durch das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, die Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit sowie den Europäischen Sozialfonds.

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Marco Kreuter
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