Finanzplatz Frankfurt

Digitaler Barcode für Finanzmarktakteure

Die Einführung eines digitalen „Barcodes" für Banken, Versicherungen und andere Finanzmarktakteure gilt als wichtige Maßnahme und Konsequenz aus der Finanz- und Wirtschaftskrise. Über 60 Finanzaufsichtsbehörden in über 40 Ländern unterstützen inzwischen die Einführung des so genannten Legal Entity Identifier Codes (LEI), über 350.000 dieser Codes wurden bereits vergeben. „Das System ist voll funktionsfähig und arbeitet“, sagten Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir und Finanzminister Dr. Thomas Schäfer am Freitag beim Startschuss der weltweiten Koordinierungs- und Managementeinheit in Frankfurt. „Die LEI-Codierung entwickelt sich zunehmend zu einem weltweiten Standard. Der Finanzplatz Frankfurt liefert damit einen weiteren wichtigen Beitrag zur Transparenz und Stabilität der weltweiten Finanzsysteme.“ 

Digitaler Fingerabdruck zur eindeutigen Identifikation

Entsprechend der Selbstverpflichtung der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G-20) werden künftig weltweit alle Marktteilnehmer bei Finanztransaktionen - etwa beim börslichen und außerbörslichen Handel mit Finanzderivaten - einen digitalen Fingerabdruck hinterlassen und damit eindeutig identifizierbar sein. Wer verbirgt sich hinter einer konkreten Transaktion? Könnte der Marktteilnehmer einen Ausfall des Geschäfts verkraften? Drohen Kettenreaktionen? All diese Fragen konnten Aufsichtsbehörden, aber auch Marktteilnehmer im Vorfeld der Lehman-Pleite nicht beantworten – mit verheerenden Folgen. Für die Aufsichtsbehörden eröffnet der LEI-Code damit völlig neue Einsichts- und Eingriffsmöglichkeiten im globalen Maßstab.

Operativer Teil der Verwaltung in Frankfurt angesiedelt

Dr. Michael Meister, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium: „Ich begrüße es sehr, dass es gelungen ist, mit dem Frankfurt Office einen wichtigen operativen Teil der Verwaltung des globalen LEI-Systems in Deutschland anzusiedeln. Die GLEIF-Stiftung und das von ihr errichtete globale System zur Identifizierung von Finanzmarktakteuren leisten einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Finanzmarktstabilität weltweit. Die Tätigkeit der GLEIF-Stiftung liegt im öffentlichen Interesse und ist daher in Deutschland von den Ertragsteuern befreit. Dies hat der Gesetzgeber auf Initiative der Bundesregierung im letzten Jahr beschlossen.“

Gerard Hartsink, Chair of the Board of Directors, GLEIF: „Die Stiftung ist das Herz des operativen LEI-Systems. In Frankfurt wird nun die organisatorische und technische Infrastruktur aufgebaut, welche die Weiterentwicklung und Einhaltung der LEI-Standards sicherstellen wird: Zuverlässigkeit, Qualität und Einzigartigkeit.“

Beitrag zur Stabilisierung des internationalen Finanzmarktes

Stephan Wolf, CEO, GLEIF: „Der operativen Aufbau des Global Legal Entity Identifier Systems (GLEIS) auf Basis der G20-Empfehlungen ist eine wichtige Aufgabe von GLEIF. Dazu geht GLEIF eine enge Partnerschaft mit den LEI-Vergabestellen, den sogenannten Local Operating Units (LOU), ein. Im Sommer diesen Jahres wird GLEIF ein Master Agreement sowie die begleitenden Dokumente zur Akkreditierung der LOUs vorlegen.“

Dr. Thomas Schäfer:  „GLEIF leistet einen wichtigen Beitrag für die Stabilität des internationalen Finanzmarktes. Auch der Finanzplatz Frankfurt gewinnt dadurch und stärkt seinen Einfluss als führender Standort für Aufsichts- und Regulierungsfragen. Die Entscheidung für Frankfurt war davon abhängig, dass die notwendigen steuerlichen Rahmenbedingungen schnell geschaffen wurden. Ich bedanke mich an dieser Stelle für die gute Zusammenarbeit des Bundesministeriums der Finanzen mit meinem Haus.“

Arbeit der Aufsichtsbehörden erleichtert

Tarek Al-Wazir: „Im Rahmen der weltweiten Finanzkrise mussten sich die Aufsichtsbehörden eingestehen, dass eine Zuordnung und Nachverfolgbarkeit von Finanztransaktionen in vielen Fällen nicht schnell genug möglich war, um das Vertrauen in die Stabilität der Finanzmärkte und der Finanzmarktakteure zu erhalten. Dieser Umstand hat die Fähigkeit zur Überwachung und Verhinderung von systemischen Risiken eingeschränkt, teilweise sogar ausgeschaltet. Mit der Einführung des LEI-Codes wird es nun für die Aufsichtsbehörden deutlich einfacher, komplexe Firmengeflechte offenzulegen, Verbindungen und wirtschaftliche Abhängigkeiten zwischen Handelspartnern zu erkennen sowie Risiken und Gefahren von möglichen Kettenreaktionen und systemischen Risiken schnell nachzuprüfen.“

Zur Durchführung von Transaktionsmeldungen im Rahmen der EU-Verordnung des außerbörslichen Handels mit Derivat-Produkten (EMIR) oder beispielsweise des amerikanischen Dodd-Frank Act ist die Verwendung eines Legal Entity Identifiers bereits heute verbindlich vorgeschrieben. Zudem findet der LEI bereits Erwähnung in vielen weiteren Regularien, wie etwa in den technischen Standards zur AIFMD (Alternative Investment Fund Managers Directive) oder auch im Rahmen von MiFID II (Markets in Financial Instruments Directive II) / MiFIR (Markets in Financial Instruments Regulation).

Auch Finanzmarktakteure selbst profitieren

„Dabei ist es gelungen, dieses System in enger Kooperation zwischen staatlichen Aufsichtsbehörden und den privaten Anwendern so zu entwickeln, dass beide Seiten durch Standardisierung davon profitieren“, betonten Wolf und Hartsink. „Denn auch die Finanzmarktakteure selbst profitieren von diesen Neuerungen, weil sie auch für ihr eigenes Risikomanagement auf den LEI-Code zurückgreifen können.“

Da mit dieser Ansiedlung der Management-Einheit zudem qualifizierte Arbeitsplätze in Frankfurt geschaffen werden, fördert das Hessische Wirtschaftsministerium den Aufbau notwendiger zentraler IT-Systeme am Standort Frankfurt mit 250.000 Euro im Jahr 2015.

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