Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen

Studie

Beschäftigte profitieren vom Mindestlohn

Von der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns profitieren in Hessen rund 133.000 Beschäftigte, die vor dem Jahreswechsel weniger als 8,50 Euro brutto in der Stunde verdienten. Dies entspricht einem Anteil von rund fünf Prozent der Beschäftigten und liegt damit deutlich unterhalb des Bundesdurchschnitts, wie eine Studie der Hessen Agentur im Auftrag des Hessischen Wirtschaftsministeriums ergab. „Dank seiner Standortstärke hatte Hessen nur einen unterdurchschnittlichen Anteil von Stundenlöhnen unter 8,50 Euro, gleichwohl haben auch hier viele Beschäftigte einen Gewinn davon“, kommentierte Minister Tarek Al-Wazir. „Dagegen haben sich die vielen Warnungen vor Jobverlusten nicht bewahrheitet: Im April 2015 gab es in Hessen 4500 Arbeitslose weniger als ein Jahr zuvor.“

Lohngefüge vor der Einführung des Mindestlohns

Die Studie ermittelt auf Basis verschiedener Statistiken das Lohngefüge und die Beschäftigung in Hessen vor Einführung des Mindestlohns. Die meisten Beschäftigten mit Bruttolöhnen unter 8,50 Euro gab es danach im Handel incl.  Autohäuser und Kfz-Werkstätten (rund 17 300) sowie in der Rubrik „sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen“ (ca. 17 000), worunter etwa Wachdienste, Zeitarbeit und Gebäudereinigung fallen. Industrie (11 400) und Gastronomie (10 000) folgen.

Die größten Auswirkungen erwarten die Autoren im Gastgewerbe, da dort der Anteil der unter Mindestlohn verdienenden Beschäftigten mit 20,7 Prozent weit über den anderen Branchen lag. Insgesamt rechnet die Studie jedoch nicht mit fundamentalen Folgen für die Beschäftigung in Hessen.

Einkommen unter 8,50 Euro waren besonders verbreitet unter Hilfsarbeitern (39,8 Prozent), Schülern und Studenten sowie Rentnern. So lagen 29 Prozent der geringfügig Beschäftigten unter der Schwelle, jedoch nur drei Prozent der Teilzeit- und ein Prozent der Vollzeitkräfte.

Ausnahmen für bestimmte Branchen und Gruppen

Der Mindestlohn von 8,50 pro Stunde gilt seit Jahresbeginn, allerdings können in einzelnen Branchen wie Land- und Forstwirtschaft sowie Textil- und Bekleidungsindustrie noch bis Ende 2017 niedrigere Entgelte gezahlt werden. Ferner bestehen Ausnahmen etwa für Schüler unter 18 Jahren und Studenten, die Pflichtpraktika absolvieren.

"Leistung muss sich lohnen"

„Vier Monate nach Einführung können wir zuversichtlich sein, dass der Mindestlohn die Beschäftigung nicht beeinträchtigt, aber gleichzeitig für viele Beschäftigte der Satz 'Leistung muss sich lohnen' wieder mit Leben gefüllt wird“, sagte Minister Al-Wazir. „Natürlich gilt es, die weitere Umsetzung genau zu beobachten, auch um in der konkreten Umsetzung zu erfahren, wie praktikabel die Details der Vorschriften sind. Wir wollen, dass der Mindestlohn gezahlt wird und dass dies auch dokumentiert wird, aber wir wollen natürlich auch kein Übermaß an Bürokratie. Nach den bisherigen Erfahrungen bin ich aber zuversichtlich, dass sich auch hier der Umgang mit dem Mindestlohn im Sinne aller Beteiligten einspielen wird.“

Schließen