Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung
Hessenreport 2016

Überdurchschnittliches Wachstum für hessische Wirtschaft prognostiziert

Thema: 
Wirtschaft & Finanzplatz Frankfurt
06.02.2017Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung

Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir hat heute in Wiesbaden den Hessenreport 2016 vorgestellt. Die zentralen Ergebnisse: Noch nie hatten in Hessen mehr Menschen Arbeit. Die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Und die hessische Wirtschaftskraft ist im Bundesvergleich auf Top-Niveau und wird sich bis zum Jahr 2030 voraussichtlich besser als der Bundesdurchschnitt entwickeln.

„Unsere Unternehmen sind wettbewerbsfähig wie nie. Und die Beschäftigten in Hessen profitieren davon“, so Al-Wazir. „Im Durchschnitt stieg der Jahresverdienst zwischen 2013 und 2015 in Hessen um 1.700 Euro an. Der Aufschwung kommt also bei den Hessinnen und Hessen im Portemonnaie an.“ Auch im Jahr 2016 kam es zu weiteren Reallohnsteigerungen.

Arbeitslosenquote nur in zwei Ländern niedriger

In Hessen blickte man im letzten Monat auf die niedrigste Arbeitslosenzahl in einem Januar seit 24 Jahren zurück. Die Arbeitslosenquote lag bei 5,4 %. Hessen belegt damit gemeinsam mit Rheinland-Pfalz Platz 3 im Ländervergleich. Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, prognostiziert für 2017 einen weiteren Aufwärtstrend bei der Erwerbstätigkeit und weniger Arbeitslose in Hessen. „Die konjunkturelle Entwicklung ist weiter aufwärts gerichtet. Die Stellenmeldungen der Betriebe sind kontinuierlich auf einem hohen Niveau, auch wenn die Dynamik am Arbeitsmarkt zuletzt leicht nachgelassen hat“, so Martin. „Wir gehen davon aus, dass wir in diesem Jahr die Marke von 2,5 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Hessen knacken werden.“

In keinem anderen Flächenland ist das Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen so hoch wie in Hessen. Im Vergleich aller Bundesländer liegt Hessen auf Platz 2 hinter dem Stadtstaat Hamburg. „Das ist ein starkes Argument für Hessen. Unternehmen, die sich in Deutschland gründen oder niederlassen, finden hier top ausgebildete und leistungsstarke Arbeitnehmer“, so der Minister.


Das BIP je Erwerbstätigen (2015) ist in Hessen mit 78.790 Euro das höchste aller Flächenländer


Dieser Trend dürfte sich weiter fortsetzen. Laut Hessenreport wird sich die Bruttowertschöpfung in den Jahren 2015 bis 2030 im Schnitt um 1,7 Prozent pro Jahr erhöhen. Das ist ein etwas stärkeres Wachstum als es für Deutschland prognostiziert wird (+1,5 Prozent). „Wir haben zudem in den vergangenen beiden Jahren bewiesen, dass ein solches Wachstum auch ohne steigenden Energieverbrauch machbar ist.“ Al-Wazir verwies auf die gestiegene Energieproduktivität hessischer Unternehmen. „Noch nie wurde mit jeder eingesetzten Kilowattstunde Energie so viel produziert und erwirtschaftet wie im vergangenen Jahr.“

Dabei unterscheidet sich die prognostizierte Entwicklung in den drei Regierungsbezirken Darmstadt (+1,6%), Gießen (+1,7 Prozent) und Kassel (+1,7 Prozent) kaum. Aufgrund des gleichmäßigen Wachstums bleibt auch die Verteilung der Bruttowertschöpfung auf die drei Bezirke bis zum Jahr 2030 weitgehend konstant. Auf Darmstadt entfallen rund 71 Prozent, auf Gießen 13 Prozent und auf Kassel rund 16 Prozent. „Das bedeutet nicht, dass die Beschäftigten in Nordhessen weniger leisten als im Süden“, so der Minister. „Im Gegenteil: Die Arbeitsproduktivität ist im Regierungsbezirk Kassel sogar höher als im Regierungsbezirk Darmstadt. Vielmehr zeigt sich darin die nach wie vor unterschiedliche Verteilung der Arbeitsplätze im Land.“  

Definition: Bruttowertschöpfung

Die Bruttowertschöpfung ergibt sich aus dem Gesamtwert der im Produktionsprozess erzeugten Waren und Dienstleistungen (Produktionswert), abzüglich des Werts der Vorleistungen (z.B. Vorprodukte, Rohstoffe) und wird – anders als das Bruttoinlandsprodukt – auch für einzelne Wirtschaftsbereiche ausgewiesen.

Getragen wird die prognostizierte positive Entwicklung insbesondere durch das Verarbeitende Gewerbe sowie durch Unternehmens- und Finanzdienstleistungen. „Während diese Branchen durch die Banken- und Finanzkrise besonders stark getroffen wurden, tragen sie in den kommenden Jahren verstärkt zur positiven wirtschaftlichen Entwicklung bei“, so der Minister. Öffentliche Dienstleister, aber auch der Erziehungs- und Gesundheitsbereich werden sich laut Hessenreport nicht im selben Tempo entwickeln. Weil diese Bereiche deutlich weniger von der konjunkturellen Entwicklung abhängen, haben sie allerdings während der Krise zu einer erheblichen Stabilisierung geführt. „Daran zeigt sich, dass wir einen gesunden Mix in Hessen haben.“ 
 

Fachkräftebedarf wird hoch bleiben

Wie die Wirtschaftsprognose zeigt, wird der Bedarf an Fachkräften auch in Zukunft hoch bleiben. In allen drei Landesteilen ist zunächst noch mit einer Zunahme des Arbeitskräfteangebots zu rechnen. So dürfte im Jahr 2020 die Zahl der Erwerbspersonen in Südhessen um 7,1 %, in Mittelhessen um 4,0 % und in Nordhessen um 2,9 % höher liegen als im Jahr 2014. Während für Südhessen auch nach dem Jahr 2020 weiterhin von einem hohen Erwerbspersonenniveau auszugehen ist, werden in Mittel- und Nordhessen ab dem Jahr 2020 die Erwerbspersonenzahlen voraussichtlich sinken. Für 2030 werden für den Regierungsbezirk Darmstadt fast 100.000 Erwerbspersonen bzw. 4,8 % mehr als 2014 vorausgeschätzt, für Mittelhessen ergibt sich ein Minus von 22.000 Personen (-4,2 %) und für Nordhessen ein Rückgang um 43.000 Personen (-7,2 %). Damit zeichnet sich in Nordhessen bereits ab dem Jahre 2020 und in Mittelhessen ab etwa 2025 ein zunehmendes Fachkräftedefizit ab.

Übergang von Schule in Beruf muss funktionieren

Bereits heute gibt es Engpässe bei wichtigen Berufsgruppen, stellt Dr. Martin fest: „Es fehlen bereits jetzt Beschäftigte nicht nur in der Altenpflege und bei Erziehern, sondern es mangelt auch an Klempnern, im Bereich der Fahrzeugführung im Straßenverkehr, Maschinenbauern und Fachkräften in der Chemiebranche“. Umso wichtiger sei es, an den bereits in der Vergangenheit formulierten Zielen und Handlungsfeldern festzuhalten: „ Wir müssen weiterhin daran arbeiten, dass der Übergang von der Schule in den Beruf funktioniert und weniger junge Menschen in den Übergangssystemen oder ohne Ausbildung in der Arbeitslosigkeit landen. Obwohl sich in den letzten Jahren die Erwerbsbeteiligung von Frauen, älteren Arbeitnehmern und Menschen mit Behinderungen erhöht hat, ist noch Luft nach oben. Die Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen und die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt sind zusätzliche Herausforderungen, denen wir uns stellen“.  Wirtschaftsminister Al-Wazir kündigte an, mit gezielten Programmen die Attraktivität insbesondere des ländlichen Raumes weiter zu erhöhen. „Wir werden unsere Anstrengungen in den kommenden Jahren weiter verstärken, um zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zur Fachkräftesicherung beizutragen“, so der Minister.

 

Initiativen und Programme des Wirtschaftsministeriums: Vom Breitbandausbau bis zur Qualifizierung der Beschäftigten  

Breitbandausbau
Ein leistungsfähiges Breitband-Hochgeschwindigkeitsnetz ist insbesondere im ländlichen Raum eine wesentliche Voraussetzung für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit der hier ansässigen Unternehmen. Die Möglichkeit zu einem Breitbandanschluss ist ein elementarer Faktor für Familien bei der Wohnortwahl sowie für Unternehmen bei der Standortwahl. Das Land Hessen unterstützt den Ausbau insbesondere im ländlichen Raum mit Darlehen, Bürgschaften und Zuschüssen in dreistelliger Millionenhöhe.

Fachzentrum „ÖPNV im ländlichen Raum“
Wegen des Rückgangs der Bevölkerung und vor allem der Schülerinnen und Schüler sind im ländlichen Raum klassische ÖPNV Angebote oft nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Deshalb fördert das Verkehrsministerium ein neues Fachzentrum ÖPNV im ländlichen Raum von RMV und NVV mit jährlich 200.000 Euro. Das Zentrum soll seinen Betrieb im Juni 2017 aufnehmen. Neben den bewährten Elementen wie Anruf-Sammel-Taxis oder Rufbussen sollen dabei auch neue Ideen ausprobiert werden.

„Wirtschaft integriert“
Das Landesprogramm „Wirtschaft integriert“ unterstützt junge Flüchtlinge und Migranten mit Sprachförderbedarf auf dem Weg zu einem Ausbildungsabschluss. Angeboten wird eine durchgehende Förderkette von der Berufsorientierung bis zum Ausbildungsabschluss. Das Programm wird an 19 über Hessen verteilten Standorten umgesetzt. Davon liegen 12 in eher ländlich bzw. kleinstädtisch geprägten Regionen. Bisher wird das Programm mit 804 Eintritten gut nachgefragt. Die Landesregierung stellt für das Programm 11 Mio. Euro bereit.

Initiative Pro Abschluss
Die Initiative richtet sich an sozialversicherungspflichtige Beschäftigte und geringfügige Beschäftigte, die für ihre Tätigkeit keine formale Qualifikation haben und nun einen Berufsabschluss nachholen möchten. Bildungscoaches in jedem der 26 Landkreise und kreisfreien Städte beraten und begleiten Betriebe und Beschäftigte bis zur Abschlussprüfung. Anders als Unternehmen in Ballungszentren, merken Unternehmen im ländlichen Raum bereits jetzt, dass die Akquise von geeignetem Personal zunehmend schwieriger wird. Für sie Raum ist daher die Möglichkeit, bereits vorhandenes Personal zu Fachkräften weiterzubilden, ein interessantes Instrument der Fachkräftesicherung und -entwicklung. Das Land übernimmt über so genannte Qualifizierungsschecks die Hälfte der Kosten einzelner Bildungsmaßnahmen. Bis 2021 sind rund 33 Mio. Euro aus Mitteln des Landes und des Europäischen Sozialfonds eingeplant.

„Duales Studium Hessen“
Mit dem Dualen Studium Hessen können junge Menschen, die für ein Studium im Zweifelsfall in ein Ballungszentrum ziehen, in ländlichen Regionen gehalten werden. Durch die Kombination aus Theorie und Praxis, werden die Studierenden direkt an das Unternehmen gebunden – sowohl räumlich als auch fachlich. Die Attraktivität für den ländlichen Raum lässt sich beispielsweise auch an den Standorten der Bildungsanbieter festmachen: So hat die THM für StudiumPlus bspw. Standorte in Bad Hersfeld und Biedenkopf. Gerade Klein- und Kleinstbetriebe, die häufig im ländlichen Raum anzutreffen sind, profitieren vom intensiven Kontakt mit der Hochschule bzw. Berufsakademie und werden Teil eines Netzwerks mit Synergieeffekten. 

Ausbildungsplatzprogramme
Insbesondere im ländlichen Raum ist es häufig für die Unternehmen schwierig, ihre Ausbildungsplätze mit geeigneten Bewerbern zu besetzen. Um Anreize zu setzen, sich in dieser Situation auch schwächeren Jugendlichen zuzuwenden, und den Unternehmen hierfür eine finanzielle Hilfestellung zugeben, hat die Landes auch in 2017 die Ausbildungsplatzprogramme neu aufgelegt. Über das so genannte Hauptschülerprogramm und das Programm zur Ausbildungsplatzförderung sind für das Jahr 2017 knapp 4 Millionen Euro eingeplant. Damit können rund 800 Ausbildungsplätze gefördert werden. 

„Gut ausbilden“
Das Programm „gut ausbilden“ hat zum Ziel, Kleinst- und Kleinbetriebe im Wettbewerb um Auszubildende zu stärken und die Attraktivität als Ausbildungsbetrieb zu steigern. Diesen Kleinstbetriebe, die häufig im ländlichen Raum anzutreffen sind, wird so die Möglichkeit geboten, den regionalen Nachwuchs zu halten. Jährlich stehen gut eine Mio. Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) bereit. 

GRW – EFRE Förderung

Fördermittel aus der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW) und dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE): In den EFRE-Vorranggebieten Mittel- und Nordhessen und den Odenwaldgemeinden bestehen Möglichkeiten für die gezielte Förderung von Gründungen und der Schaffung von Arbeitsplätzen in Unternehmen. Die positive Arbeitsmarktentwicklung in Nord- und Mittelhessen wird durch gute Rahmenbedingungen und die hessische Regionalförderung nachhaltig unterstützt. Im Jahr 2016 wurden 26 Investitionsvorhaben mit Zuschüssen in Höhe von rd. 9,5 Mio. € und einem Investitionsvolumen von rd. 70,7 Mio. € gefördert. Mit den geförderten Vorhaben wurden rd. 900 Arbeitsplätze gesichert und 255 neue Arbeitsplätze in kleinen und mittleren Unternehmen geschaffen. 

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