Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung

REAKTIVIERUNG VON SCHIENENSTRECKEN

Planung der Horlofftalbahn soll starten

Thema: 
Schiene, ÖPNV, Nahmobilität
16.07.2018Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung

In Hessen sollen weitere stillgelegte Bahnstrecken für einen umweltfreundlichen Nahverkehr reaktiviert werden.

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Schienen
© Gregor Atzbach / bienenschuss.de

Wie Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir am Montag mitteilte, wurde der Stadt Hungen, der Gemeinde Wölfersheim, dem Landkreis Gießen und dem RMV empfohlen, die weitere Planung der Reaktivierung der Horlofftalbahn (Wölfersheim-Hungen) zu veranlassen. Auf dieser Grundlage kann der Rhein-Main-Verkehrsverbund die Planung fördern. Ferner stellt das Land eine finanzielle Beteiligung an den späteren Baukosten der Horlofftalbahn (Wölfersheim-Hungen) in Aussicht.  

„Die Landesregierung stärkt den Schienenverkehr"

„Damit sind vier Vorhaben in ein konkretes Stadium eingetreten, bei vier weiteren laufen noch Machbarkeitsstudien“, erläuterte der Minister. „Die Landesregierung stärkt den Schienenverkehr als klimafreundliche Alternative zum Individualverkehr. Wir wollen Angebote, die die Straßen entlasten und mehr Passagiere auf die Schiene bringen.“  

Schon im Mai hatte Al-Wazir dem Kreis Gießen empfohlen, die Planungen für die Reaktivierung der elf Kilometer langen Lumdatalbahn von Lollar nach Rabenau-Londorf aufzunehmen. Auch dort hat das Land Unterstützung bei den Baukosten signalisiert.  

Planungssicherheit für Kommunen

Al-Wazir verwies auf das Hessische Mobilitätsfördergesetz, das von 2020 an pro Jahr mindestens 100 Mio. Euro für kommunale Verkehrsvorhaben bereitstellt: „Die Hälfte ist für Investitionen in die Infrastruktur für Busse und Bahnen reserviert. Mit der gesetzlichen Bindung geben wir den Kommunen Planungssicherheit.“

In Hessen sind in den vergangenen Jahrzehnten über 80 Nebenstrecken stillgelegt worden. In einer ausführlichen Bestandsaufnahme haben das Land und die Verkehrsverbünde diejenigen unter ihnen ermittelt, die für eine Reaktivierung in Frage kommen. „Maßgeblicher Gesichtspunkt ist, dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimmt und dass das Vorhaben den ländlichen Raum stärkt“, sagte Al-Wazir.  

Bei einem Großteil der Strecken bzw. Streckenabschnitte stellte sich jedoch heraus, dass sie sich wegen Überbauung, schlechten Zustands oder zu geringen Fahrgastpotenzials nicht mehr für den Betrieb eignen. Im Ergebnis sind nun vier Projekte in der konkreten Planung oder kurz davor: 

Projekte in oder kurz vor der konkreten Planung

Ein besonders gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis verspricht die rund 12 Kilometer lange Horlofftalbahn von Wölfersheim nach Hungen. Eine Wiederinbetriebnahme würde durchgehende Verbindungen von Hungen oder Lich bis nach Frankfurt ermöglichen. Die Kosten werden auf ca. 20 Mio. Euro geschätzt. Auch bei der Lumdatalbahn rechtfertigen die zu erwartenden Fahrgastzahlen in Verbindung mit der prognostizierten Siedlungs- und Strukturentwicklung eine vertiefte Planung.  

„Wenn wir unsere Klimaziele erreichen wollen, muss der ÖPNV für mehr Menschen als je zuvor attraktiver als das Auto sein. Dazu müssen wir unsere Infrastruktur massiv ausbauen - und das nicht nur in den Ballungszentren“, sagt Prof. Knut Ringat, Geschäftsführer des RMV und Sprecher der Geschäftsführung. „Mit der Reaktivierung der Horlofftalbahn können Fahrgäste aus Hungen bis zu 30 Minuten schneller in Frankfurt sein, und auch die Lumdatalbahn verspricht massive Fahrzeitgewinne. Wir werden beide Strecken bei der Neuausschreibung des Teilnetzes Wetterau berücksichtigen und gehen so einen wichtigen Schritt, um den ländlichen Raum noch besser anzubinden.“  

Für die 1983 stillgelegte Aartalbahn von Wiesbaden ins rheinland-pfälzische Diez eröffnet die geplante Wiesbadener City-Bahn eine Chance zur Teilreaktivierung. „Die City-Bahn soll von Bad Schwalbach die Aartalbahntrasse bis zum Stadtgebiet Wiesbaden nutzen und vom nordwestlichen Stadtrand Wiesbadens über die Hochschule Rhein-Main, die Innenstadt und den Hauptbahnhof sowie über die Theodor-Heuss-Brücke nach Mainz führen und ans Mainzer Straßenbahnnetz angeschlossen werden“, erläuterte Jörg Gerhard, Geschäftsführer der Wiesbadener ESWE Verkehrsgesellschaft. „Hiermit wird die länderübergreifende Verbindungsfunktion zwischen den Landeshauptstädten Wiesbaden und Mainz sowie dem Rheingau-Taunus-Kreis deutlich verbessert. Die Infrastrukturkosten des Aartalabschnitts werden auf 70 Mio. Euro geschätzt.“  

Motorisierten Straßenverkehr reduzieren

Die seit 2006 nicht mehr befahrene 2,6 Kilometer lange Güterstrecke vom Neu-Isenburger Bahnhof in die Innenstadt soll als Teil der geplanten Regionaltangente West wieder in Betrieb gehen (RTW). Die RTW wird von Bad Homburg über den Frankfurter Flughafen nach Neu-Isenburg und Dreieich führen, ohne über den Frankfurter Hauptbahnhof zu verlaufen.  

„Die RTW verbindet direkt und umsteigefrei einwohnerstarke Städte und Kreise mit hohen Arbeitsplatzkonzentrationen untereinander sowie mit dem Flughafen Frankfurt“, erläuterte Horst Amann, Geschäftsführer der Planungsgesellschaft. Dazu nutzt sie, wo immer möglich, vorhandene Eisenbahnstrecken und verknüpft die Lücken mit neu gebauten Stadtbahnstrecken. In Neu–Isenburg bietet die stillgelegte Bahnstrecke die besondere Möglichkeit, die RTW weit in die Stadt hinein zu führen, eine hervorragende ÖPNV-Anbindung zu schaffen und motorisierten Straßenverkehr zu reduzieren.“  

Bei vier weiteren Vorhaben laufen noch Machbarkeitsstudien: 

  • Kassel – Baunatal – Schauenburg – Naumburg (Einbeziehung in die Kasseler RegioTram)  
  • Waldkappelbahn Kassel-Wilhelmshöhe nach Kaufungen-Papierfabrik (Einbeziehung ins Kasseler Straßenbahnnetz)
  • Herkulesbahn Kassel (Verlängerung der Straßenbahnstrecke Kassel-Druseltal zum Herkules-Denkmal)
  • Darmstadt-Ost – Groß-Zimmern  

Al-Wazir erinnerte an den Erfolg der reaktivierten Kurhessenbahn, die den Nationalpark Kellerwald-Edersee für Zugreisende aus dem Rhein-Main-Gebiet und dem Ruhrgebiet bequemer und schneller erreichbar gemacht hat. „Das war die wesentliche Voraussetzung, dass die Kellerwaldregion als „Fahrtziel Natur“ anerkannt ist und beworben wird. Das gibt dem ökologischen Tourismus dort einen Schub. Von der Strecke profitieren aber auch Berufspendler. Das Projekt zeigt, welches Potenzial in stillgelegten Bahnstrecken schlummert.“  

Bei der Kurhessenbahn hatte das Land rund zwei Drittel der Gesamtkosten getragen. Allein für die Arbeiten an der Strecke und für neue Stationen summierten sich die Fördermittel auf 16,7 Mio. Euro. Weitere 8,4 Mio. Euro flossen in die Modernisierung des Bahnhofs Frankenberg sowie in Parkplätze und Bushaltestellen an den Haltepunkten.

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