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Planänderungsverfahren für den Riederwaldtunnel beendet

Thema: 
Straßenverkehr
18.12.2019Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen

Das Planänderungsverfahren für den Riederwaldtunnel im Frankfurter Osten ist beendet: Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir hat den Planänderungsbeschluss am heutigen Mittwoch, 18. Dezember 2019, unterzeichnet.

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Autobahn bei Frankfurt
© Matthias Buehner / Fotolia

„Der Riederwaldtunnel in Frankfurt ist das größte innerstädtische Verkehrsprojekt seit Jahrzehnten. Der gesamte Autobahnbau im Frankfurter Osten war jahrzehntelang umstritten, auch der Riederwaldtunnel. Allerdings hat sich auch einiges an den Plänen verändert. Der Planfeststellungsbeschluss Alleentunnel wurde aufgehoben, die Teil-Einhausung der A 661 ist auf den Weg gebracht“, sagte Al-Wazir heute in Wiesbaden. „Es geht jetzt um die letzten 1100 Meter, um die A 66 an die A 661 anzuschließen. Ziel ist es, die derzeit unerträgliche Verkehrssituation und die damit einhergehenden Luftschadstoff- und Lärmbelastungen vor allem an der Straße ‚Am Erlenbruch‘ deutlich zu reduzieren. Es ist wichtig, dass wir bei dem Projekt vorankommen und das Planänderungsverfahren nun abgeschlossen ist. Denn es ist mir ein besonderes Anliegen, die Situation vor Ort auch im Interesse der Anwohner im Riederwald zu verbessern.“

Der Riederwaldtunnel soll die Lücke zwischen der nach Osten führenden A 66 und der A 661 schließen und die Stadtteile Bornheim und Riederwald spürbar von Durchgangsverkehr entlasten. „Bauarbeiten ohne Lärm sind nicht möglich. Und natürlich wird eine Großbaustelle wie beim Riederwaldtunnel zu besonderen Belastungen führen. Darum werden wir alle Spielräume für einen optimalen Lärmschutz ausnutzen“, sagte Al-Wazir weiter. Auch die dafür notwendigen Bauarbeiten werden – trotz des Einsatzes modernster Schallschutztechniken – zunächst zu Lärmbelastungen bei den Anwohnerinnen und Anwohnern führen. Das gilt auch für die angrenzende Pestalozzischule.

Riederwaldtunnel: Schutz vor Lärm und Luftschadstoffen

„Wir halten Wort: Für die Pestalozzischule wird eine dezentrale Lüftung angeordnet, damit die Klassenräume auch bei geschlossenen Fenstern vernünftig belüftet werden. Das vom Bund vorgeschlagene Stoßlüften in den Pausen ist nicht praktikabel und ist deshalb von uns abgelehnt worden. Die Schülerinnen und Schüler haben ein Recht darauf, konzentriert lernen zu können. Darum werden wir den Bund in die Pflicht nehmen, die Kosten für den Einbau einer geeigneten Lüftungsanlage zu übernehmen.“

Das bisherige Lärmkonzept für die Pestalozzischule hatte eine Lärmschutzwand und hochwertige Lärmschutzfenster vorgesehen. Das Bundesverkehrsministerium, in dessen Auftrag Hessen Mobil das Projekt plant und realisieren wird, war der Auffassung, dass der notwendige Luftaustausch in den Pausen durch Stoßlüften erreicht werden kann und damit die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden können.

„Der Riederwaldtunnel wird die Menschen im Stadtteil zukünftig nicht nur erheblich von Lärm und Luftschadstoffen entlasten, sondern darüber hinaus die Straßenraumgestaltung deutlich verbessern“, sagte Minister Al-Wazir. „Noch liegt viel Arbeit vor uns. Jede weitere Verzögerung im Projekt würde den heutigen katastrophalen Zustand und die Belastungen für die Anwohnerinnen und Anwohner unnötig verlängern.“

Der Planänderungsbeschluss wird Anfang Februar mit allen seinen dazugehörigen Unterlagen – etwa 28 Ordner – nochmals in der Stadt Frankfurt für zwei Wochen ausgelegt. Anschließend könnte in einem Zeitraum von vier Wochen Klage gegen den Planänderungsbeschluss eingereicht werden. Gleichzeitig erfolgt die direkte Zustellung des Planänderungsbeschlusses an die Beteiligten des Verfahrens, über deren Eingabe entschieden worden ist.

Bauarbeiten könnten Ende 2021 beginnen

„Nachdem wir bereits im November 2019 mit der Beilegung des Rechtsstreits zwischen der Straßenbaubehörde Hessen Mobil und dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) eine entscheidende Hürde genommen haben, sind wir heute mit der Unterzeichnung des Planänderungsbeschlusses wieder einen bedeutenden Schritt weiter gekommen“, sagte der Präsident von Hessen Mobil, Gerd Riegelhuth.

„Wenn die Auslegung im Frühjahr 2020 abgeschlossen und keine Klage mehr anhängig ist, schließen sich die Ausführungsplanung und ein EU-weites Vergabeverfahren an“, fügte Riegelhuth hinzu. Danach könnten die Bauarbeiten für das eigentliche Tunnelbauwerk Ende 2021 beginnen. Aktuell laufen vor Ort bereits umfangreiche Bauarbeiten zur Baufeldfreimachung. Dazu zählen beispielsweise die Leitungsbrücken, der Nord- und der Südsammler beziehungsweise der Seckbachsammler.

Hintergrund Planänderungsverfahren

  • Voraussetzung für den Abschluss des Planänderungsverfahrens war eine gründliche Abwägung der unterschiedlichen Interessen und gesetzlichen Vorgaben. Dazu zählte die Auswertung der im Anhörungsverfahren abgegebenen Einwendungen und Stellungnahmen durch die Planfeststellungsbehörde im Wirtschafts- und Verkehrsministerium. Insgesamt waren zahlreiche Stellungnahmen von Behörden und sonstigen Stellen sowie fast 700 private Einwendungen eingegangen.
  • Das nun abgeschlossene Planänderungsverfahren war unter anderem notwendig geworden, weil die neueren Prognosen der Bevölkerungsentwicklung einen Anstieg bis zum Jahr 2030 voraussahen. Damit mussten auch die Verkehrszahlen und sämtliche darauf aufbauenden Fachgutachten zum Lärmschutz bzw. die Schadstoffgutachten überarbeitet werden.
  • Darüber hinaus beinhaltet das Änderungsverfahren ein Bauzeitliches Immissionsschutzkonzept mit temporären Lärmschutzwänden mit einer Gesamtlänge von etwa drei Kilometern und einer Höhe zwischen zwei bis etwa zehn Meter Höhe für die Abschirmung einzelner Baugruben.

Für die Gesamtmaßnahme liegt ein Planfeststellungsbeschluss aus dem Jahr 2007 vor. Wesentliche Bestandteile des aktuellen Planänderungsbeschlusses sind:

  • Aktualisierte Verkehrsuntersuchung (Prognosejahr 2030 einschl. Bevölkerungsentwicklung)
  • Fortschreibung der schalltechnischen und lufthygienischen Untersuchungen
  • Ausarbeitung der bauzeitlichen Verkehrsführungen
  • Bauzeitliches Immissionsschutzkonzept (Lärm / Erschütterungen / Staub)
  • Landschaftspflegerische Begleitplanung und Artenschutzbeitrag, Grünbrücke
  • Umplanung der oberen städtischen Verkehrsebene, Straße „Am Erlenbruch“ / K 870
  • Aktualisierung der betriebs- und sicherheitstechnischen Tunnelausstattung
  • Hydrogeologische Untersuchungen bezüglich dem Grundwassereingriff

Hintergrund Riederwaldtunnel

Der Riederwaldtunnel ist zentraler Bestandteil des 2,2 km langen Lückenschlusses zwischen der A 66, Frankfurt am Main/Hanau/Fulda sowie der A 661, Ostumgehung Frankfurt. Das Gesamtprojekt besteht aus den folgenden Teilbereichen:

  • Das Kernstück bildet der rund 1,1 Kilometer lange Riederwaldtunnel im Korridor der Straße „Am Erlenbruch“. Der Tunnel wird mit zwei Röhren unter der Straße und der U-Bahnstrecke verlaufen. Es ist vorgesehen, den Tunnel, ausgehend von den beiden Tunnelenden (Portalen), von außen nach innen in offener Bauweise herzustellen.
  • Westlich wird über das angrenzende Erlenbruch-Dreieck die A 661 angebunden. Das zentrale dreistöckige Kreuzungsbauwerk wurde im Sommer 2019 fertiggestellt. Im Erlenbruch-Dreieck werden die Fahrbeziehungen von/nach Hanau/Fulda über den Riederwaldtunnel mit der A 661 von/nach Bad Homburg bzw. Offenbach verknüpft. Voraus­sichtlich im Jahr 2020 kann die derzeit noch provisorisch geführte Baustellenumfahrung der A 661 zurückverlegt und somit über das neue Kreuzungsbauwerk geführt werden.
  • Im östlichen Bereich wird über die neue Anschlussstelle Borsigallee die A 66 in Richtung Hanau / Fulda angebunden. Die heutige provisorische Anschlussstelle Frankfurt am Main-Bergen-Enkheim wird durch diesen Neubau ersetzt. Für diesen Abschnitt wird noch ein separates Planänderungsverfahren durchgeführt.
  • Die Baumaßnahme beinhaltet zudem die Neugestaltung der oberen städtischen Verkehrsebene mit der Straße „Am Erlenbruch“, U-Bahn, Geh- und Radwegen sowie umfangreiche Grünflächen. Begleitend sind landespflegerische Maßnahmen wie zum Beispiel eine Grünbrücke über die A 66 im Bereich des Fechenheimer/Enkheimer Waldes und die Bepflanzung des Schwanheimer Ufers geplant bzw. teilweise bereits umgesetzt.
  • Die vorbereitenden Arbeiten laufen. Um die Leitungsfreiheit für den Tunnel zu erlangen, erfolgen derzeit die Bautätigkeiten zur Verlegung des Kanalsystems sowie zur Neuorganisation des Ver- und Entsorgungsnetzes. Von den dazu erforderlichen drei Leitungsquerungen, über die gebündelt die Leitungen über die zukünftige Tunneltrasse geführt werden, sind bereits zwei fertiggestellt und die Dritte befindet sich im Bau.
  • Während der gesamten Bauzeit der Maßnahme werden der Straßen- und U-Bahnverkehr sowie die Geh- und Radwegeverbindungen aufrechterhalten.

Daten und Fakten zum Bau des Riederwaldtunnels

Abschnittslänge A 66
2,1 Kilometer, davon 1,9 Kilometer von Planänderungsbeschluss umfasst 

Tunnellänge
1.095 Meter / 1.030 Meter (Südröhre / Nordröhre) 

Gesamtbaukosten
ca. 477 Millionen Euro

Kosten des Immissionsschutzkonzepts während der Bauzeit
mehr als 3 Millionen Euro 

Verkehrsstärke (Prognose 2030, jeweils werktags)
A 66
ca. 110.000 Autos / 24 Stunden, davon rund 6.000 Lastwagen >3,5 Tonnen
A 661
ca. 124.000 – 137.000 Autos / 24 Stunden, davon zehn Prozent Lastwagen
Straße „Am Erlenbruch
ca. 14.000 Autos / 24 Stunden (heute ca 22.000 Autos / 24 Stunden)

Autobahnquerschnitt
drei Fahrstreifen je Fahrtrichtung zuzüglich erforderliche Streifen im Bereich des AD Erlenbruch und der Anschlussstelle Borsigallee 

Lärmschutz während der Bauzeit
Lärmschutzwände sowie passiver Lärmschutz (Fenster) und Anspruch auf Entschädigung 

Lärmschutz bei Betrieb
Aktiver und Passiver Lärmschutz durch Trogstrecken, zusätzliche Lärmschutzwände, auch im Bereich des AD Erlenbruch, sowie Lärmschutzfenster, Lüftungsanlagen und Entschädigung          

Baubeginn für Tunnelbauwerk
voraussichtlich Ende 2021 

Fertigstellung und Verkehrsfreigabe
voraussichtlich 2029

Kontakt für Pressevertreter

Pressesprecherin: 
Franziska Richter
Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen
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