Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung
IAB-Betriebspanel

Frauenbeschäftigung 2016 auf Höchststand

Thema: 
Wirtschaft & Finanzplatz Frankfurt
17.07.2017Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung

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Ingenieurin vor einer Baustelle
© Adam Gregor / Fotolia.com

Die Gesamtzahl der Beschäftigten in Hessen ist seit Mitte der 2000er Jahre deutlich angestiegen. Frauen hatten einen beachtlichen Anteil an dieser Entwicklung: Die Zahl der beschäftigten Frauen kletterte bis 2016 um 200.000 auf 1,4 Millionen - ein neuer Höchststand. Der Frauenanteil an der Gesamtbeschäftigung belief sich auf 45 Prozent. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, so die Ergebnisse des IAB-Betriebspanels, dass nach wie vor strukturelle Differenzen in der Beschäftigungssituation von Frauen und Männern bestehen: Frauen blieben in qualifizierten Tätigkeiten weiterhin unterrepräsentiert, zugleich waren sie deutlich häufiger in Teilzeit oder befristet eingestellt als ihre männlichen Kollegen.

Teilzeit bleibt Frauendomäne

Über die Hälfte der Frauen (52 Prozent) waren 2016 in Teilzeit beschäftigt. Die Teilzeitquote der Männer lag zum gleichen Zeitpunkt dagegen bei 15 Prozent. In den letzten 15 Jahren ist die Teilzeitquote der Frauen um 11 Prozentpunkte gestiegen. In Anbetracht der parallel gestiegenen Frauenbeschäftigung bedeutet dies nicht nur, dass grundsätzlich immer mehr Frauen einer Beschäftigung nachgehen, sondern dass dieser Beschäftigungszuwachs in hohem Maße in Teilzeit stattfindet. Auch wenn sich der Frauenanteil an allen Teilzeitbeschäftigten zwischen den Jahren 2011 und 2014 verringert hatte, so stagniert die Situation seit 2015 wieder: Etwa drei von vier Beschäftigten in Teilzeit sind weiblich.

Häufiger von Befristungen betroffen

Die Anzahl befristeter Arbeitsverträge ist seit Beginn der Panelbeobachtung deutlich gestiegen: 2001 waren 119.000 Personen befristet beschäftigt, 2016 waren es 215.000. Der Frauenanteil an befristeter Beschäftigung lag im Beobachtungszeitraum stets zwischen 51 und 59 Prozent. Im Jahr 2016 waren rund 54 Prozent der befristet Beschäftigten weiblich. Das Risiko, befristet beschäftigt zu sein, ist für Frauen damit weiterhin höher als für Männer.

Meist qualifizierte Tätigkeiten

Ein Großteil der beschäftigten Frauen übten Tätigkeiten aus, die eine abgeschlossene Ausbildung voraussetzten (54 Prozent), 12 Prozent waren in Bereichen angestellt, die einen Hochschulabschluss erforderten. 28 Prozent waren nur mit einfachen Tätigkeiten betraut.

Führungspositionen unterrepräsentiert

Frauen in Führungspositionen sind immer noch keine Selbstverständlichkeit. Die Zahl der Frauen auf erster Führungsebene ist in den letzten zwei Jahren immerhin um 6.000 gestiegen, so dass sie in Hessen 2016 einen Anteil von 28 Prozent an allen Führungskräften auf erster Führungsebene erreichten. Dies ist der höchste Wert in Hessen seit 2004.

2016 war jede fünfte Führungsposition in den mittelgroßen Betrieben mit einer Frau besetzt. In den kleineren Betrieben waren sogar knapp 30 Prozent der Führungskräfte weiblich. Nur in den Großbetrieben blieb der Frauenanteil auch 2016 deutlich unter 20 Prozent. Unterschiede bei der Besetzung von Führungspositionen zeigen sich auch zwischen den Wirtschaftszweigen, so sind Frauen in Dienstleistungsbetrieben und Öffentlicher Verwaltung besonders häufig auf erster Führungsebene tätig.

Betriebliches Engagement ausbaufähig

Die Verbesserung der Chancengleichheit von Frauen und Männern sowie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen sowohl die gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsmarkt als auch die bessere Nutzung der vorhandenen Potenziale. Den Betrieben steht eine Vielzahl an Maßnahmen zur Verfügung, die von der Unterstützung der Beschäftigten bei der Kinderbetreuung oder in Pflegesituationen bis hin zur gezielten Förderung von Frauen reichen. Hessenweit wurden 2016 nur von rund einem Drittel der Betriebe entsprechende Maßnahmen angeboten. Im Vergleich zu 2012 hat sich die Zahl der aktiven Betriebe lediglich geringfügig gesteigert. Am häufigsten wurde von den Betrieben genannt, dass sie besondere Rücksicht bei der Arbeitszeitgestaltung von Beschäftigten mit Betreuungspflichten walten lassen. Hierunter fallen flexible Arbeitszeiten, Arbeitszeitkonten, Telearbeit oder Home Office, aber auch familienfreundliche Teilzeitmodelle. Insgesamt zeigten sich die Betriebe in Hessen 2016 zwar etwas engagierter in der Förderung einer besseren Vereinbarkeit und Chancengleichheit als vor vier Jahren, aber ihr Engagement ist durchaus noch ausbaufähig.

Hintergrundinformation: Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) lässt seit 1993 jährlich Betriebe im Rahmen des IAB-Betriebspanels durch Kantar Public (ehemals TNS Infratest Sozialforschung) befragen. Die Auswertung für Hessen erfolgt durch das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur. Finanziert werden die hessischen Zusatzauswertungen durch das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, die Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit sowie den Europäischen Sozialfonds.

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