Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung
Startseite » Presse » Pressemitteilungen » Fachkräftesicherung gewinnt an Bedeutung
Abschlussbericht IAB-Betriebspanel 2015

Fachkräftesicherung gewinnt an Bedeutung

Thema: 
Wirtschaft & Finanzplatz Frankfurt, Ausbildung
13.01.2017Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung

Das IAB-Betriebspanel, die jährliche Befragung von bundesweit über 16.000 Betrieben, liefert auch eine solide Datenbasis über die Aktivitäten hessischer Betriebe. Ausbildungsbeteiligung rückläufig, aber Übernahmequote auf Höchststand. Betriebliche Weiterbildung auf dem Vormarsch. Beschäftigungsdynamik nimmt weiter zu

fotolia_85261433_berufsschueler.jpg

Berufsschüler
© goodluz / Fotolia.com

Der heute vorgelegte Abschlussbericht bietet unter anderem umfassende Informationen über

  • das betriebliche Ausbildungsverhalten,
  • die Nutzung betrieblicher Weiterbildung,
  • die Beschäftigungsdynamik,
  • die Veränderung betrieblicher Strukturen.

Ausbildungsbeteiligung rückläufig, aber Übernahmequote auf Höchststand

Die Ausbildungsbeteiligung der Betriebe in Hessen ist zurückgegangen, ein Trend, der bereits seit 2008 beobachtet werden kann. Für das Jahr 2015 gaben 28 Prozent der Betriebe an, in Ausbildung aktiv zu sein.

Insgesamt bildeten die Betriebe weniger junge Menschen aus als im Vorjahr. Bei gleichzeitig steigender Gesamtbeschäftigung bedeutet dies einen stärkeren Rückgang der Ausbildungsquote (Anteil der Auszubildenden an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aller Betriebe). Sie lag 2015 mit 4,4 Prozent weiterhin deutlich unter dem westdeutschen Durchschnitt.

Hessenweit wurden 2015 rund 24.000 Auszubildende von ihren Betrieben übernommen. Die Übernahmequote lag somit bei 69 Prozent und war so hoch wie noch nie im Zeitraum der Panelbetrachtung. Dies lässt sich als deutlicher Indikator dafür werten, dass die ausbildenden hessischen Betriebe stärker als in der Vergangenheit die Notwendigkeit sehen, eigene Fachkräfte heranzuziehen und zu binden.

Betriebliche Weiterbildung auf dem Vormarsch

Im ersten Halbjahr 2015 förderten 54 Prozent der hessischen Betriebe Weiterbildungen. Die Bedeutung für den einzelnen Betrieb dokumentiert die Weiterbildungsquote, die erneut anstieg: Mit einem Anteil von 29,4 Prozent weitergebildeter Beschäftigter erreichte sie einen Höchststand.

Die Betriebe setzten 2015 deutliche Anreize für eine Teilnahme an Weiterbildungen: Sie übernahmen in den meisten Fällen die Kosten. Zudem fanden Weiterbildungen hauptsächlich während der Arbeitszeit statt. Dies deutet darauf hin, dass sich das Verständnis der Weiterbildung als betrieblich zu organisierende Aufgabe weiterhin verfestigte.

Beschäftigungsdynamik nimmt weiter zu

194.000 Arbeitskräfte wurden im ersten Halbjahr 2015 in Hessen neu eingestellt - gegenüber 2014 ein Zuwachs von fast 20.000. Zusätzlich zu den Neueinstellungen suchten die Betriebe 2015 rund 80.000 weitere Arbeitskräfte. Dies ist der höchste Wert seit 15 Jahren.

Außerdem verließen rund 146.300 Beschäftigte im ersten Halbjahr 2015 ihren Arbeitsplatz. Kündigungen durch den Arbeitnehmer (36 Prozent) und Kündigungen durch den Betrieb (21 Prozent) waren die häufigsten Ursachen für ein Ausscheiden.

Die Abgangsquote im Jahr 2015 lag bei 4,8 Prozent, was in etwa dem Niveau der Vorjahre entsprach. Dagegen nahm die Einstellungsquote weiter zu und erreichte einen Höchststand von 6,4 Prozent. Die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt erhöhte sich damit eindeutig.

Mehr ältere Beschäftigte, mehr Frauen in Teilzeit

Der Anteil älterer Beschäftigter an der Gesamtbeschäftigung hat in Hessen seit 2011 stetig zugenommen. 2015 war fast jeder Dritte (32 Prozent) 50 Jahre oder älter. Auch wenn ältere Beschäftigte in hessischen Betrieben zunehmend vertreten waren, boten dennoch immer weniger hessische Betriebe auf diese Gruppe zugeschnittene Angebote, u.a. zur Weiterbildung, Arbeitsplatzgestaltung und Gesundheitsförderung an.

2015 waren rund 44 Prozent aller Beschäftigten in Hessen Frauen. Ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis zeigte sich 2015 lediglich bei den Einfachbeschäftigungsverhältnissen. Der Frauenanteil bei qualifizierten Tätigkeiten mit abgeschlossener Lehre sank im Betrachtungszeitraum um 4 Prozentpunkte auf 45 Prozent. Gleichzeitig erhöhte sich der Anteil von Frauen mit Hochschulabschluss. Frauen als Inhaberin, Vorstandsmitglied oder Geschäftsführerin kamen seit 2009 mit einem Anteil von ungefähr 22 Prozent durchweg am seltensten vor.

Mit einem Anteil von knapp drei Viertel an den Teilzeitbeschäftigten stellten Frauen die Mehrheit in dieser Beschäftigungsform und waren zudem häufiger befristet angestellt. Die Teilzeitquote der Frauen erreichte 2015 mit 49 Prozent ihren bisherigen Höchststand.

Hessische Betriebe insgesamt auf gutem Weg

Für Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen, dokumentieren die Gesamtergebnisse des Abschlussberichts, dass, auch wenn einige Handlungsfelder noch unzureichend gelöst wurden, die hessischen Betriebe insgesamt auf einem guten Weg sind: „Dass immer mehr junge Menschen nach der Ausbildung von ihren Betrieben übernommen und immer mehr Beschäftigte weitergebildet werden, unterstreicht den immer höheren Stellenwert, den die Sicherung von Fachkräften im Bewusstsein der Betriebe einnimmt. Ausgebildete Fachkräfte zu finden und zu binden, ist Voraussetzung für die erfolgreiche wirtschaftliche Weiterentwicklung und Bedingung dafür, auch in Zukunft konkurrenzfähig zu bleiben.

Auch für die Beschäftigten ist es immer wichtiger, über solide Fachkenntnisse zu verfügen und diese im Verlauf des Berufslebens kontinuierlich weiter auszubauen. In Hinblick auf die demografischen und technologischen Veränderungen der Arbeitswelt sind Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen gefordert. Damit auch Geringqualifizierte und Ungelernte nicht auf der Strecke bleiben und Betriebe die nötigen Fachkräfte finden, bietet die Bundesagentur für Arbeit zahlreiche Qualifizierungs- und Unterstützungsmöglichkeiten an.“  

Mehr Aus- und Weiterbildung

Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir rief die Unternehmen zu mehr Beteiligung an der Berufsausbildung auf: „Im Angebot an Ausbildungsstellen liegt noch Entwicklungspotenzial. Dies hat die hessische Wirtschaft auch erkannt und sich im Rahmen des Bündnisses Ausbildung Hessen verpflichtet, die Zahl der angebotenen Ausbildungsstellen zu erhöhen. Außerdem nimmt die Bedeutung der Weiterbildung zu: Insbesondere die Hinführung geringqualifizierter Beschäftigter zu einem anerkannten Berufsabschluss wird ein wichtiges strategisches Element der Personalentwicklung. Hessen unterstützt mit der Landesinitiative ProAbschluss insbesondere kleine und mittlere Unternehmen dabei, dieses Potenzial zu aktivieren. Denn für den Standort Hessen ist das Fachkräfteangebot ein entscheidender Faktor.“

Kontakt für Pressevertreter

Pressesprecher: 
Marco Kreuter
Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung
+49 611 815 20 20
+49 611 815 22 25
presse@wirtschaft.hessen.de