Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung

Mobilität in Hessen

Digital, vernetzt, klimafreundlich

Thema: 
Straßenverkehr, Schiene, ÖPNV, Nahmobilität
06.03.2018Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung

Hessen strebt eine führende Rolle auf dem Weg zu nachhaltiger Mobilität an.

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Schienenverkehr
© Leonid Andronov / Fotolia

Ein digital vernetztes, klimaschonendes und leistungsfähiges Verkehrssystem sei nicht nur notwendig, um auch in Zukunft Mobilität zu sichern und gut für die Umwelt, sondern auch eine ökonomische Chance, sagte Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir am Dienstag in Wiesbaden. „Hessen lebt zu einem beträchtlichen Teil von Verkehr und Logistik; wir haben die Kompetenz, Verkehr zu managen. Gleichzeitig haben wir eine weit überdurchschnittliche Verkehrsbelastung; Lösungen, die hier funktionieren, haben ihren Praxistest bestanden. Und funktionierende Lösungen sind weltweit gefragt. Es ist uns sozusagen bestimmt, Vorreiter der Verkehrswende zu werden.“

Verkehrswende

Den Weg dazu steckt die am Dienstag vorgestellte Hessenstrategie Mobilität 2035 ab. „Die Mobilität von Menschen und Gütern ist eine der Grundvoraussetzungen wirtschaftlicher Dynamik, sozialer Teilhabe und individueller Freiheit. Wir wollen diese Mobilität sichern - schnell und klimafreundlich, für alle und auf Dauer. Mit einem digital vernetzten Verkehrssystem, das jede und jeden jederzeit schnell und umweltfreundlich ans Ziel bringt.“

Die Ansatzpunkte der Strategie sind:

Digitalisierung und intelligenten Verkehr vorantreiben

Die Vollautomatisierung des Fahrens wird erst morgen oder übermorgen Alltag werden. Aber schon heute wird sie in Hessen erprobt: Hessen ist das bundesweit größte digitale Testfeld für automatisiertes Fahren. Im Projekt Ko-HAF wird erstmals bundesweit kooperatives, hochautomatisiertes Fahren auf Autobahnen im Geschwindigkeitsbereich bis 130 km/h erprobt – und zwar unter realen Verkehrsbedingungen. Die Digitalisierung der Teststrecke auf A5, A661 und A3 wurde vor wenigen Monaten abgeschlossen. Der Testbetrieb auf diesen hochbelasteten Autobahnabschnitten wird in den kommenden beiden Jahren starten. Zudem sollen digitale Plattformen und Angebote sowie autonomes Fahren für den Öffentlichen Nahverkehr nutzbar gemacht werden. Der RMV entwickelt derzeit bspw. mit der digitalen Plattform „Mobility Inside“ die bundesweit erste Mobilitätsplattform, über die der gesamte öffentliche Verkehr – vom Bus- und Bahnticket über das Leihfahrrad bis zum Carsharing-Angebot – zentral gebucht und abgerechnet werden kann.

Effiziente Infrastruktur weiter stärken

Verlässliche Verkehrsangebote erfordern eine leistungsfähige Infrastruktur. Deswegen haben wir die Investitionen auf Rekordniveau erhöht: Der Landesstraßenbauetat steigt bis 2019 auf 188 Mio. Euro. Auch in das hessische Autobahnnetz wurde noch nie mehr investiert als in den vergangenen vier Jahren: Im vergangenen Jahr waren es 690 Millionen Euro. Gleichzeitig werden in den nächsten Jahrzehnten 12 Milliarden in 12 Schienengroßprojekte fließen. Der Bund untersucht derzeit die größten Schienenengpässe im Rhein-Main-Gebiet. Sobald die Ergebnisse vorliegen, werden die Arbeiten für ein umfassendes Schienenverkehrskonzept in Hessen beginnen, denn die Verbindungen des ÖPNV bilden die tatsächlichen Verflechtungen zwischen den Wohn- und Arbeitsorten nicht mehr vollständig ab. Dabei sollen völlig neue Verbindungen diskutiert werden: Können wir – zum Beispiel analog zum Berliner S-Bahn-Ring oder der Londoner Circle Line – den Ring, den die RTW als Halbkreis beginnt, schließen?

Nahmobilität und Vernetzung unterstützen

Unter Nahmobilität versteht man das Zufußgehen und Radfahren. Beides wurde lange Zeit nicht beachtet. Wir aber stellen die Nahmobilität in den Mittelpunkt – und das hat einen guten Grund: Die Hessinnen und Hessen wollen es so: Weil es gerade auf kurzen Strecken die schnellste Möglichkeit ist, von A nach B zu kommen. Auch die Innenstädte werden so lebenswerter, weil Luftschadstoff- und Lärmbelastungen sinken. 8 Millionen Euro stellen wir den Kommunen deshalb pro Jahr für den Rad- und Fußwegebau zur Verfügung. Mit dem Nahmobilitäts-Check werden wir in diesem Jahr den Kommunen zudem ein neues Angebot unterbreiten. 

Güterverkehr multimodal weiterentwickeln

In Zukunft wird der Güterverkehr weiter zunehmen, gerade in Hessen als Transitland. Deshalb muss die Verkehrswende auch beim Güterverkehr ansetzen. Hessen wird daher intelligente Lösungen für die Logistik vor Ort umsetzen. Mit dem Projekt ‚Emissionsarme Wirtschaftsverkehre FrankfurtRheinMain‘ im HOLM fördern wir bspw. konkrete Pilotmaßnahmen zur umweltverträglichen Stadtbelieferung, z.B. firmenübergreifende Mikrodepots oder Potentialanalysen für App-kartierte E-Ladeplätze für Lieferanten. Zugleich erproben wir mit dem Oberleitungs-LKW an der A5 (Projekt ELISA) einen vielversprechenden Baustein für den emissionsarmen Güterverkehr der Zukunft. „Grundsätzlich bleibt es dabei, dass wir so viel Güterverkehr wie möglich auf die Schiene verlagern müssen“, sagte Al-Wazir. „Aber wir werden nie in jedem Ort einen Gleisanschluss haben. Wir brauchen Elektro-LKWs als Ergänzung.“

Verlässlichen Rahmen schaffen: Planung und Gesetze

Ordnungsrahmen und Planungsprozesse spiegeln teilweise nicht mehr die Mobilitätsrealität von heute und morgen. Insbesondere das Personenbeförderungsgesetz ist nicht mehr zeitgemäß und muss flexibler werden, zum Beispiel für neue Angebote wie Bürgerbusse. Dies wird Hessen von der neuen Bundesregierung einfordern. Ähnliches gilt für eine integrierte Lärmbetrachtung, die künftig Grundlage für Lärmschutzmaßnahmen sein soll. Mit dem Hessischen Mobilitätsfördergesetz wird das Land ab 2019 jährlich mindestens 100 Millionen Euro für Verkehrsprojekte (hälftig Straßenbau und öffentlicher Verkehr) in die Kommunen fließen lassen. Damit können diese verlässlich planen.
 

Zukünftige Maßnahmen
Zukünftige Massnahmen

Mit der Hessenstrategie Mobilität 2035 bringt die Landesregierung die zentralen Themen, Entwicklungen und Trends zusammen, über die sich Expertinnen und Experten weitgehend einig sind. Ein solches digital vernetztes, alle Verkehrsträger verknüpfendes System biete eine bessere Mobilität mit mehr Komfort als das heutige, einseitig auf den motorisierten Individualverkehr ausgerichtete System, sagte der Minister. „Wir machen aus einer ökologischen Notwendigkeit einen ökonomischen Aufbruch, wir verbessern nicht nur die Mobilität, sondern auch die Lebensqualität und die Verkehrssicherheit. Und wir tun das, was die Bürgerinnen und Bürger von uns erwarten.“ 

Die Strategie stützt sich auf Experteninterviews und eine vom HOLM durchgeführte Studie. Michael Kadow, Geschäftsführer der House of Logistics and Mobility (HOLM) GmbH: „Das Ziel des Zukunftsbildes „Logistik und Mobilität 2035“ war es, Handlungsoptionen zu erarbeiten, damit die Wettbewerbsfähigkeit des Bundeslandes für 2035 gesichert und ausgebaut werden kann. Auf dieser Grundlage hat das HMWEVL in Kooperation mit uns, der HOLM GmbH, eine Strategie entwickelt. Das Ergebnis dieser Kooperation haben wir in einer Programmatik unter der Überschrift „Hessen Strategie Mobilität 2035“ zusammengefasst. Die Ziele, die darin formuliert sind, orientieren sich am Leitgedanken einer nachhaltigen Logistik und Mobilität, die gleichermaßen Wirtschaft, Gesellschaft und Politik dienen. Ich bin stolz darauf, dass wir als HOLM GmbH mit dem Zukunftsbild die Basis dafür legen durften. Das Bild, das wir auf unserer neutralen Plattform und in Kooperation mit vielen Partnern und Kunden, aber auch mit den Bürgerinnen und Bürgern entworfen haben, geht heute in der Mobilitätsstrategie des Landes auf.“ 

„Pioniere der urbanen Mobilität" 

„Mit dem Schülerticket Hessen, mit unserem Förderprogramm für Elektrobusse, mit dem Fachzentrum Nachhaltige Urbane Mobilität sind wir bereits Pioniere“, sagte Al-Wazir. „Wir haben mit der Verkehrswende begonnen und setzen diesen Weg jetzt mit einer klaren Strategie fort. Und eines sollte nicht vergessen werden: Ein Drittel der hessischen Treibhausgasemissionen kommt aus dem Verkehr. Wir arbeiten also nicht nur gegen den Stau und für mehr Lebensqualität, sondern auch für das Klima.“ 

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