Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung
Flughafen Frankfurt

Al-Wazir: Lärmpausen führen zu deutlicher Reduzierung der Lärmbelastung

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Vogelperspektive auf einen Spielzeugflughafen.
© Markus Beck / Fotolia.com

Seit 10 Monaten werden am Frankfurter Flughafen siebenstündige Lärmpausen erprobt. Über das Nachtflugverbot von 23 Uhr abends bis 5 Uhr morgens hinaus ermöglichen die Lärmpausen Anwohnern rund um den Flughafen eine zusätzliche Stunde Ruhe. Die ersten Monitoringergebnisse der Lärmschutzmaßnahme sind heute von Günter Lanz, Geschäftsführer des Umwelt- und Nachbarschaftshauses, in Wiesbaden vorgestellt worden. Der hessische Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir zog daraus eine positive Bilanz. "Die Lärmpausen funktionieren reibungslos, die Lärmbelastung konnte messbar gesenkt werden, und die Menschen wollen, dass wir die Lärmpausen beibehalten. Genau dafür werde ich mich jetzt einsetzen", so Al-Wazir. "Wir leisten mit den Lärmpausen einen spürbaren Beitrag zum Lärmschutz am Flughafen."

Probebetrieb Lärmpausen

Am 23. April 2015 startete am Frankfurter Flughafen der Probebetrieb für siebenstündige Lärmpausen. Dazu werden bei Betriebsrichtung West am frühen Morgen zwischen 5 und 6 Uhr und am späten Abend zwischen 22 und 23 Uhr einzelne Bahnen nicht genutzt. Die Flugbewegungen werden dazu auf den verbleibenden Bahnen gebündelt. Durch diese intelligente Bahnnutzung erhalten Anwohner insbesondere in den Anflugbereichen der nicht genutzten Bahnen eine zusätzliche Stunde Ruhe.

Die heute präsentierten ersten Ergebnisse beruhen auf einem Evaluations-Konzept, das von einer Arbeitsgruppe des Forums Flughafen und Region erstellt wurde, die u.a. aus Vertreterinnen und Vertretern der Fluglärmkommission, des Hessischen Landesamts für Umwelt und Geologie, des Umwelt- und Nachbarschaftshauses, der Fraport, der Lufthansa, der Deutschen Flugsicherung DFS und des hessischen Verkehrsministeriums sowie aus kommunalen Experten besteht. Das Konzept besteht aus verschiedenen Säulen: 1. Anwendungshäufigkeit (Wie oft wurden die Lärmpausen umgesetzt?) 2. Lärmmonitoring (Wie wirken sich die Lärmpausen auf die objektive Lärmbelastung in der Region aus?) 3. Wahrnehmungsmonitoring (Wie bewerten die Anwohner die Maßnahme?). "Wir haben großen Wert auf ein wissenschaftlich fundiertes Monitoring gelegt, das die Wirkung der Lärmpausen-Maßnahme möglichst objektiv beschreibt", so Lanz. "Genau deshalb haben wurden alle relevanten Akteure in das Verfahren mit eingebunden."

Ergebnisse Anwendungshäufigkeit
Wie oft wurden die Lärmpausen umgesetzt?

1. Die Lärmpausen am Frankfurter Flughafen werden für die Betriebsrichtung West erprobt. Dies war seit der Einführung der Lärmpausen an etwa 7 von 10 Tagen der Fall.

2. Die Lärmpausen wurden nur in wenigen Ausnahmefällen ausgesetzt. Hauptgrund waren Wettereinflüsse.

3. Insgesamt liegt die Umsetzungsquote am Abend bei 89 Prozent, am Morgen bei 96 Prozent.

Al-Wazir: „Die Lärmpausen kamen praktisch seit dem ersten Tag mit einer sehr hohen Verlässlichkeit zur Anwendung. Für einen Probebetrieb sind das exzellente Werte.“

Ergebnisse Lärmmonitoring
Wie wirken sich die Lärmpausen auf die Lärmbelastung in der Region auf?

1. Die Messwerte der An- und Abflüge belegen insgesamt eine deutliche Reduzierung der Lärmbelastung in den jeweiligen Randstunden.

2. Die Lärmentlastungen in Folge der Lärmpausen sind deutlich höher als die Belastungen.

3. Unterhalb der Anflugroute der Nordwestlandebahn kommt es wie erwartet abends zu erheblichen Entlastungen. In Neu-Isenburg sind die Entlastungen am Morgen deutlich höher als die zusätzlichen Belastungen am Abend.

Der Minister bezeichnete die Lärmpausen als Beleg dafür, dass eine Entlastung der Region möglich sei. „Durch eine intelligente Bahnnutzung ist es uns gelungen, unterm Strich zu einer echten und messbaren Entlastung zu kommen. Die Lärmpausen sind eben kein Nullsummenspiel. Die Messwerte zeigen vielmehr ganz deutlich, dass es sich bei den Lärmpausen um eine wirksame aktive Schallschutzmaßnahme handelt“, so Al-Wazir.

Ergebnisse Wahrnehmungsmonitoring
Wie bewerten die Anwohner die Maßnahme?

1. Rund zwei Drittel aller Befragten haben von der Lärmpausen-Maßnahme schon einmal gehört.

2. Obwohl eine Mehrheit der Befragten bislang keine Veränderung im Alltagsleben feststellt, verbinden die Befragten mit den Lärmpausen mehrheitlich positive Einschätzungen.

3. Eine deutliche Mehrheit spricht sich für die Fortsetzung der Lärmpausen aus. 71 Prozent wollen, dass die Lärmpausen weitergeführt werden.

„Die Zahl der Befürworter der Lärmpausen ist deutlich höher als die der Kritiker. Eine Mehrheit will, dass wir die Lärmschutzmaßnahme fortsetzen. Mit diesem Ziel gehe ich jetzt in die Beratung der Fluglärmkommission“, sagte Al-Wazir. Voraussichtlich am 9. März wird die FLK über die Monitoringergebnisse beraten. Dazu werden derzeit im FFR noch weitere Detail-Auswertungen finalisiert. „Wenn die Fluglärmkommission den Weg frei macht, wollen wir die Lärmpausen in den Regelbetrieb überführen. Es gibt für mich dann keinen Grund, diese erfolgreiche Lärmschutzmaßnahme nicht fortzuführen.“ Al-Wazir kündigte weitere Gespräche mit den wesentlichen Akteuren auf der Luftverkehrsseite an, um den Regelbetrieb vorzubereiten. Bis dahin werde der Probebetrieb fortgesetzt.

Al-Wazir: „Natürlich sind die Lärmpausen kein Allheilmittel gegen den Fluglärm in der Region. Aber sie sind ein wichtiger Baustein in unserer Strategie, die Belastungen Schritt für Schritt zu verringern.“ Der Minister verwies auch auf die Vorbereitung eines zweiten Maßnahmenpakets Aktiver Schallschutz durch das Forum Flughafen und Region. „Das Maßnahmenpaket soll bereits im nächsten Jahr vorgelegt werden“, so Al-Wazir. „Wir werden dabei auch sehr genau prüfen, ob es in Kombination mit diesem Maßnahmenpaket möglich wird, auch bei Ostbetrieb am Frankfurter Flughafen Lösungen zu entwickeln. Mein Ziel ist es, dass auch die Menschen in Raunheim, Flörsheim, Rüsselsheim und Mainz zusätzlich insbesondere in den Randstunden entlastet werden.“

Die wichtigsten Ergebnisse des Lärmpausen-Monitorings finden Sie als grafische Darstellungen in der Präsentation unter "Downloads".

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